Herzlich Willkommen

Hervorgehoben

Lebensqualität kennt viele Facetten.
Zu meinem persönlichen Favorit gehört die Facette SLOW LIFE.
Ich verbinde mit Slow Life Besonnenheit, das Nachdenken und Verweilen, den Charme der Bedächtigkeit, innere Balance und Müßiggang, den Genuss von Stille und Alleinsein, das Innehalten-Können, die Freude an scheinbaren Kleinigkeiten, Souveränität, Dankbarkeit und Gelassenheit sowie heitere Lebensfreude.
         Letztlich beschreibt Slow Life ein Haltungskonzept. Und nach fast 30 Jahren als Trainerin und Coach – vor allem für Unternehmen – bin ich der festen Überzeugung, dass nur eine entschiedenes Ja für eine Verlangsamung unseren eigenen Lebenstempos die Lebensqualität bringt, die sich so viele von uns wünschen.
„Die Beherrschung des Unaufgeregten“, Angela Detmers, IBAN 978398173916
Sie haben Lust, mich auf dieser entschleunigten Reise durch die thematische Landschaft „Lebensqualität“ zu begleiten? Dann finden Sie hier – seit 2013 – Nachdenkliches und Heiteres, Spannendes und Triviales, Tiefgründiges und Überflüssiges rund um das große Wort Entschleunigung oder dem langsamen Leben….Slow Life…..

Viel Freude beim Lesen, Kommentieren und Austauschen,
das wünscht Ihnen ganz herzlich

Ihre
Angela Detmers

Why Waiting is Torture

so lautet die Überschrift eines Artikels aus der NYTimes von Alex Stone.

In dem Artikel geht es darum, dass man am Houston Airport viele Beschwerden über lange Wartezeiten an den Kofferbändern erhielt. Man erhöhte darauf die Anzahl der Arbeiter, womit die Wartezeiten erfolgreich gesenkt wurden. Die Zahl der Beschwerden jedoch hielt an. Daraufhin schaute man genauer hin und fand heraus, dass die Passagiere eine Minute brauchten bis zum Kofferband und sieben Minuten später hatten sie ihr Gepäck in der Hand. Ungefähr 88 % ihrer Zeit brauchten sie also, um herumzustehen und auf ihr Gepäck zu warten. Daraufhin entschied man sich zu folgender Vorgehensweise: anstatt die Wartezeiten zu kürzen, verlegte man den Weg zu den Kofferbändern. Die Passagiere mussten nun 6 x länger zu den Bändern laufen. Ergebnis: Die Beschwerden verschwanden gen Null.

Diese Geschichte zeige – so geht es im Artikel weiter – ein generelles Prinzip: Die Aussicht, warten zu müssen – völlig egal, worauf – ist nur teilweise von der objektiven Länge von Wartezeit bestimmt. Vielmehr ist die Psychologie des Schlangestehens ungleich wichtiger als die Wartestatistik an sich. (Eine Ausnahme bilden vielleicht die Engländer??? Anm.d.V.) „Beschäftigte“ Zeit (das Gehen zum Gepäckband) fühle sich kürzer an als die unbeschäftigte (Stehen am Kofferkarussel). Untersuchungen von Schlangestehen haben gezeigt, dass Menschen dazu neigen, die Wartezeit in Schlangen um etwa 36 % als länger einzuschätzen.

Das soll übrigens auch der Grund für Spiegel in der Nähe von Fahrstühlen sein: gib den Leuten etwas, womit sie sich die Zeit vertreiben können, und das Gefühl des Wartenmüssens verkürzt sich subjektiv. Das gleiche gelte für all die Regale an den Supermarkt-Kassen – auch damit vertreibe sich die Kundschaft die Zeit (und denkt weniger über die Qual des Wartens nach). Die Supermärkte erreichen damit zusätzliche Millionenumsätze. (Ich kauf‘ nie wieder was in der Schlange vor der Kasse…Anm.d.V.)

Hinzukommt: Wenn eine lange Wartezeit mit einer angenehmen Note endet, schauen wir positiv zurück. Dominiert das Ende einer Wartezeit mit einem negativen Ergebnis, dann bleibt uns diese Erfahrung lange im Gedächtnis. (Aber das wissen wir ja inzwischen (fast) alle: Das Negative bekommt in unserem Gedächtnis eine deutlich höhere Aufenthaltsdauer zugebilligt als das Positive. Anm.d.V.)

Außerdem: Wenn man uns die Wahl ließe zwischen einer kurzen und sich nur langsam bewegenden Schlange und einer langen Schlange, die sich schnell bewegt, dann neigen wir zu letzterem. (Das sieht dann übrigens in etwa so aus:

Was sagt uns nun das alles? Lassen wir deshalb Artikel Artikel sein und kehren noch einmal zur Überschrift zurück: Die Tortur des Wartens. Besagte Tortur besteht also in der Ereignislosigkeit.

Bedenken wir, dass das Wort Tortur vom lateinischen torquere (winden, drehen, quälen) abstammt und im Mittelalter für eine überaus brutale Art des menschlichen Umgangs miteinander stand, so steht das Wort inzwischen für ein „unangenehmes Erlebnis, das für jemanden eine Qual darstellt“.

Das Warten als unangenehmes Erlebnis. Etwas, womit man uns seelisch und körperlich meint quälen zu müssen, und was ganz offensichtlich vermieden werden muss. Ja, in der „richtigen“ Schlange zu stehen, zeigt gar unsere Gewinnerqualitäten. Denn schließlich warten nur Looser in der „falschen“ Schlange. Und Leute, die in Staus geraten, also mein lieber Scholli.

Ach ja, wir haben uns dem Drill, das time money zu bedeuten habe, erfolgreich unterworfen. In dieser Hinsicht hat man es inzwischen echt leicht mit uns. (Wie schön zwischendurch, wenn ein Leser der ZEIT erzählt, dass eine ältere Dame aus ihrem Auto stieg, zum Busfahrer vor ihr ging – und ihn fragte, ob er DAS Grün der Ampel nicht möge?!)

Und ja, es ist nicht einfach, sich diesem Wahnsinn zu entziehen. Aber unmöglich? Nun geht es ja nicht darum, dass gesamte Leben in Ereignislosigkeit zu verbringen. Es wäre ja schon viel (und vielen) geholfen, wenn sie in der Lage wären, für einen bestimmten Zeitabschnitt, für einen Moment, für einen Augenblick, eine Weile lang(!) Ereignislosigkeit überhaupt auszuhalten. Schaut man sich das Wort Geduld an, so steht es für die Fähigkeit (erlernbar!) oder Bereitschaft (erlernbar!), etwas ruhig und beherrscht abzuwarten oder zu ertragen. Das Wort Genuss hätte hier auch seinen Platz, aber ich will es mal nicht übertreiben.

Zum Schluss noch mal zum Artikel: Je höherwertiger das sei, was man kaufen wolle, desto eher seien wir gewillt, zu warten.

Was bedeutet: Hätte die Ereignislosigkeit per se einen Wert für uns – das Warten wäre purer Genuss!

Schlangenartige Grüße
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Slow Madness

Beim olympischen Spiel geht es schon lange nicht mehr um Spiel.
Nicht nur der gesamte Medienzirkus und die angestrebte Gewinnmaximierung, sondern auch die Dopingskandale führen das Spektakel ad absurdum.

Und dann wird noch (zum Beispiel beim Rodel-Doppelsitzer – und nicht nur da)
in 1000stel Sekunden verloren oder gewonnen.
1000stel Sekunde. Es tut mir leid, ich finde das nur noch lächerlich. Und das trotz der ganzen Quälereien und Strapazen, die die Sportler über Jahre über sich ergehen lassen bzw. aus sich herauszwingen. „Zuerst tun die Beine weh. Manchmal hat man vor dem Ende wegen der trockenen Luft auch Kopfschmerzen“, beschreibt Eislaufschnellläufer die Becker die Torturen der 10.000-Meter-Distanz.“

Bildergebnis für clock .uk

Sie hören es schon – ich bin kein Freund von Leistungssport. Zumindest nicht, wenn er sich im 1000stel-Sekunden-Bereich bewegt. Gewinnt man beim Weitsprung inzwischen mit einem 1000stel cm?
Meine Phantasie reicht nicht aus, um zu ermessen, was Menschen über Jahre antreibt, den eigenen Körper so zu schinden. Vor allem, wenn es um Sportarten geht, bei denen Geschwindigkeit eine Rolle spielt. Also nein, ich bewundere diese Art Grenzgänger nicht. Ich habe keine Achtung vor dem Willen, sich derart quälen zu wollen. Und nein, ich bin nicht der Meinung, dass das sich quälen wollen ein Beweis charakterlichen Glanzes ist. Im Gegenteil. Mut ist eine gute Eigenschaft. Ob es mutig ist, sich von Skischanzen zu stürzen, sei dahingestellt. Für die Sportler mag es Motive geben, weiterzumachen. Für mich erscheint in diesem elenden Sportzirkus nichts auch nur im Ansatz erstrebenswert, um dort mitmischen zu wollen.

Aber die eigentliche Frage ist: Was kommt nach der 1000stel? Sieg mit zwei 10.000stel Sekunden Vorsprung? Wir können nur noch mit der Technik der Zeitlupe folgen, weil allesamt Athleten für das bloße Augen zugleich durchs Ziel stürzen?

Ich gehe jetzt spazieren. In der Sonne. Ich werde riechen, schmecken, hören, fühlen und sehen. Und vor allem genießen. Vielleicht ist es ja doch nur eine Typfrage.

Mit waschecht hundertprozentigen Grüßen
ad

Slow Looking

Wussten Sie, das in einem Museum die durchschnittliche Verweildauer vor
einem Bild bei elf Sekunden liegt?

Elf Sekunden – und zack und weg.
Liegt es an den Museen? An den Exponaten? An unseren Sehgewohnheiten? Oder sind elf Sekunden schlicht und einfach genug?

(Erkennen Sie es wieder?)*

Es geht einmal mehr ums Wahrnehmen. Und um Autos. Denn nur zwei öffentliche Räume sind in unserer schnelllebigen Zeit „autolos“ übrig geblieben:
ein Park und ein Museum.

Parks und Museen sind Orte der Besinnung, der Kultur, der Schönheit, der Impulse. Hier besteht noch die Möglichkeit, die Zeit ihre (moderne) Bedeutung verlieren zu lassen und zu Orten der Ruhe, der Besinnung und der Kommunikation zu werden.

Haben Sie Lust auf eine Übung? Nun, dann suchen Sie sich ein wahres Lieblingsbild in Ihrem Museum, und betrachten Sie es für geschlagene fünf Minuten!
Eine klassische Übung für das Hier und Jetzt.
Fällt Ihnen das leicht oder schwer? Ist es ein Vergnügen oder eine Anstrengung?
Entdecken Sie schon, oder suchen Sie noch die richtige Sitzposition?

Nicht vergessen:
Die Herrschaft über den Augenblick ist die Herrschaft über das Leben.
(M. Ebner-Eschenbach)

Blickdichte Grüße
ad

*Eingang zum Appartement von Emma Peel (Mit Schirm, Charme und Melone)

Slow Helping

Meine sehr geschätzte Freifrau Marie von Ebner-Eschenbach (1830 – 1916) sagt:

Wenn jeder dem anderen helfen wollte, wäre allen geholfen.

Ist das tatsächlich so? Was genau bedeutet in diesem Falle helfen? Wo fängt es an und wo hört es auf? Oder darf es aufhören? Das Thema ist komplex. Wer mich kennt, weiß, dass jegliche Schattierungen des „Helfersyndroms“ und alles was damit zusammenhängt, ein zentrales Thema in meinen Seminaren/WS/Fortbildungen darstellt, egal ob es um Souveränität, Stressreduzierung oder Selbstfürsorge geht. Denn auch beim Helfen gibt es Situationen, in denen gilt: Weniger ist mehr!

Ich bin nach wie vor (und nach den vielen Jahren in meinem Beruf) der Überzeugung, dass es entschieden zu oft an Abgrenzungsfähigkeit und Selbstliebe mangelt – ich erlebe das Tag für Tag. Deshalb reagiere ich inzwischen sehr wach auf das Thema, insbesondere wenn es so verallgemeinernd wie „jeder hilft jedem und alles ist gut“ daherkommt.


DARLING, Mischtechnik auf Leinwand, 60 x 60 cm, ad

Nun weiß ich nicht, in welchem Kontext Marie von Ebner-Eschenbach ihre Worte platziert hat. Ich nehme sie hier zum Anlass, noch einmal auf den Unterschied zwischen Hilfsbereitschaft und einem „Helfersyndrom“ einzugehen.

Wenn beispielsweise jemand auf dem Bahnhof einmalig beim Tragen eines schweren Koffers behilflich ist und nach einem Bitte und Danke seines Weges geht, sprechen wir von Hilfsbereitschaft. Das Kennzeichen eines Helfersyndroms hört sich dagegen so an: Du brauchst nicht in den Schrank zu schauen, ich sag Dir schon, was da drin ist. Und lächelnd schiebt sich dabei der Helfer wie selbstverständlich zwischen Eigenständigkeit und Eigenverantwortung des Gegenübers und dem „Schrank“, um sicherzustellen, helfend eingreifen bzw. sich als Helfer mehr oder weniger unverzichtbar zeigen zu können.

Können Sie hören, wie die Abhängigkeitskette angelegt wird? Die Betonung liegt auf Kette. Das ist der zentrale Unterschied zwischen schlichter Hilfsbereitschaft, die im Anschluss an den helfenden Akt nichts will oder erwartet, und einem Retter/Helfer, der aus der gewährten Hilfestellung seinen Nutzen zieht, wenn auch oft nicht bewusst und in unterschiedlichen Schattierungen. Der Nutzen besteht im Gebrauchtwerden und daraus, den eigenen Zuwendungshaushalt vermeintlich nur durch andere Menschen nähren zu können. Das liegt in der Regel am mangelnden Selbstwertgefühl, den sie mit der „Helferstrategie“ auszugleichen suchen, weil sie in der irrigen Annahme feststecken, sich Anerkennung und Zuwendung verdienen zu müssen. In diesem Fall durch Helfen, bis es (oft genug) weh tut, und zwar auf beiden Seiten. Damit aber bekommt dem Gegenüber eine Funktion zu. Und zwar die des Hilfebedürftigen oder des „Opfers“ und damit als Beschaffer – erhoffter – guter Gefühle.

Und das ist der eigentliche Knackpunkt. Denn bei näherer Betrachtung braucht oft genug der Retter den Akt des Helfens viel mehr als der scheinbar Bedürftige. Es dient dem Retter. Und erst dann dem „Opfer“. Damit kann kein Retter daran interessiert sein, den „Hilfsbedürftigen“ auf dem Weg in die Selbständigkeit zu unterstützen. Vielmehr muss die Abhängigkeit aufrechterhalten und bestenfalls ausgebaut werden.

Deshalb: Helfen ist eine gute Sache. Und von allen Hilfen bleibt die Hilfe zur Selbsthilfe immer noch die beste.

Bedachte Grüße
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Begrenztes Denken

Ich kann es ja nicht oft genug betonen. Das mit dem begrenzten Denken. Über Tellerränder hinauszuschauen, schadet nichts und niemandem und mir und dir und uns schon gar nicht. Und für die Differenzierungsfähigkeit eines jeden von uns ist eine wie auch immer geartete Begrenzung im Kopf überaus abträglich: der Zeit, der eigenen Gesundheit, der Weitsicht, des Miteinanders gegenüber.


Begrenztes Denken, 100 x 80, Mischtechnik auf Leinwand, ad

Oder hier – auch ein schönes Beispiel vom Journalisten Michael Wittler :

„(…) Wenn denn die SACHGRUNDLOSE BEFRISTUNG für (…) Rück- und Weitsicht endlich beendet würde.“ Ich hätte es nicht schöner sagen können.

Gutgelaunte Sonntagsgrüße
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Der Tag der Tage

Es gibt in Deutschland einen Tag der Mandarine. Auch einen Tag des Windbeutels.
Oder des Waldmännchens.
Und ja, auch den Tag des Schaumbades gibt es – allerdings in Amerika. Dort feiern sie im Januar auch den Tag des Pfützenspringes und den Tag des Schuld-sind-die anderen. Wieso? Ich glaube, ganz ohne wieso.
Ich hätte da noch den Tag des deutschen Apfels im Angebot oder den Zieh-Dein-Haustier-an-Tag. Fragen Sie mich nicht.
Was halten Sie denn vom Tag der Sinnlosen-Anrufbeantworter-Nachrichten? Oder dem Tag des Punktmusters? Gibt es alles.

Der deutsche Künstler Gerhard Göschel hat 1997 ein schönes Bild geschaffen. Und jede Menge Tage drauf gesetzt.
 
Zum Beispiel

Genannt hat er das Ganze: Ich denk an Euch…

Heute unbedingt über den Tag hinausgehende Grüße
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