Der Charme des Unperfekten

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Wir können Fernsehen – gestochen scharf. Analysieren – ebenfalls gestochen scharf. Wir erzielen punktgenaue Ergebnisse, und zwar auf die Minute genau. Man kann uns aus dem All heraus hinter unserem Fliederbusch entdecken und hinter jedem Buchstaben eine Verschwörung. Perfektion in Reinkultur. Geht Ihnen das zwischendurch nicht auch glaublich auf die Nerven?

Auch deshalb liebe ich meine Sammlung der Unperfekten. Ein fröhliches Ist-mir-doch-egal winkt mir entgegen oder ein verblüfftes Sieht-das-nicht-toll-aus?

Einer Atempause gleich kann ich sie betrachten. Nicht denken. Nur betrachten und fühlen. Betupft. So fühle ich mich. Liebevoll betupft.
Farben, Formen, Fluss.
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Etwas Poetisches strahlt mir entgegen. Und wundersamerweise etwas sehr Feines.
Perfektion ist ohnehin – wir wissen es längst – eine Illusion. Trotz wachsender Informationsmengen wird es auf dieser Welt unübersichtlicher und unverständlicher. Und als Malerin abstrakter Bilder (www.kunst.angela-detmers.de) habe ich mehr als einmal die Frage gestellt bekommen: Und was soll das sein? Bedeuten? Darstellen? Also gut, das da sieht aus wie eine Katze und das da könnte als Stuhl, Schuppenflechte, was auch immer durchgehen……
Es gibt so viele Menschen, die scheinbar das bloße Eindimensionale nicht aushalten. Einfach Fläche. Irgendwie eingefärbte Fläche. Lässt Dich das Ergebnis beim Betrachten lächeln? Reicht das nicht? Ist das nicht wunderbar? Darf nichts einfach nur sein? Muss alles hinterfragt werden und bedeutungsschwanger daherkommen? Können wir das Leben nicht einfach mal in Ruhe lassen?

Genüsslich oberflächliche Grüße
ad

Ganz entspannt bleiben…

heute 26-11-2013 072

….und die vorweihnachtlichen Nerven schonen. Weniger ist mehr. Guter Vorsatz. Und wenn mehr, dann die Erdung nicht vergessen. Und nur, wenn Sie dieses mehr genießen können. Ganz wichtig.
Alles, bei dem Sie ein echtes Lächeln lächeln, ist erlaubt. Gute Miene, zu welchen Spielen auch immer, nicht. Schon ist es fertig, das kleine 1 x 1 einer friedlichen Vorweihnachtszeit.

Tannennadelgrüne Grüße
ad

PS: Ach, Sie meinen, ob ich das jedesmal schaffe? Ganz ehrlich? Es hat gedauert, soviel kann ich Ihnen versichern. Doch inzwischen beherrsche ich den Slalom zwischen den verschiedenen Bedürfnissen und Vorlieben, Zeitwünschen und Empfindlichkeiten wirklich gut. Sauber abgegrenzt, ein paar – recht schmerzvolle – Entscheidungen getroffen, einige Menschen aus meinem Kreis verabschiedet, eigene Erwartungen außer Kraft gesetzt (z. B. die, dass ich ausgerechnet zu Weihnachten zur 5-Sterne-Köchin mutiere), und manchen meiner eigenen Bedürfnisse den Platz in der ersten Reihe zugestanden.
Das hat’s so ziemlich gebracht. Inzwischen gehe ich gelassen durch all die Aufregung fremder Menschen und fremder Werbung, bin nur noch gewillt, auf das zu hören, was ich mag (jahaa, immer noch Weihnachtsmusik, Kirchenglocken, Karusselmusik, Kinderlachen und ähnliches) und in solcher Art Stimmung fällt mir jedes Jahr wieder auf, dass vielmehr Menschen in dem adventlichen Gewimmel lächeln als – früher mal – gedacht. Ergebnis? Viel schöne gute Laune.

Die Sache mit dem ewigen Kind…

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Herbert van Veen
Interview-Auszug

„(…) Was ist anders?
Ich. Der kleine Baum in meinem Garten ist jetzt groß und etwas runzelig. Ich bin 67 und sehe die Dinge anders als mit 18. Doch ich bin völlig in dem Leben, das ich lebe. Ich will kein anderes! Ich will kein ewiges Kind sein, weil das Quatsch ist. Ich bin ein Mann, der sich gern an seine Kindheit erinnert: Sie war schön. Und sich erinnern zu können, das sehe ich als Glück. Mein Herz ist heute voll kleiner glatter Brüche. (…)“

Kein ewiges Kind sein? Ich höre das eher selten. Klingt so entspannt, so erwachsen, finden Sie nicht auch? Da geht mir das Herz auf.

Friedliche Sonntags-Grüße
ad

Veränderungen…..

P1010708 Die Scheune in Salzau, 2011

Die alte Scheune in Salzau. Über Jahrzehnte Spielstätte der Jazz Baltica. Dann – Finanzquerelen, neue Standortsuche, inzwischen ist die Scheune abgebrannt (Ja, finde ich auch, irgendwie überraschend….)
Jetzt ist es eben so. Und natürlich ist die Hauptsache die Musik. Ich liebe Jazz sehr. Und ich fahre auch brav nach Niendorf. Meine Freundin ist begeistert von der neuen, nein, ich schreib jetzt nicht Location…..() Aber ich sage im Brustton der Überzeugung: diese Veränderung finde ich doof. Jahaa: doof.

Nostalgische Grüße
ad

Das Wichtigste zuerst….

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Viva Jazz Baltica, Mischtechnik auf Leinwand,120 x 100, ad

Wer, wie ich, einen Kalender in Papierform nutzt, hat vielleicht gerade die neuen Einlegeblätter für das Jahr 2014 gekauft. Was bedeutet: Gleich eintragen!
Jazz Baltica 2014, 1. Juli-Wochenende in Niendorf
(leider, leider nicht mehr in Salzau, schwerstes Seufz!)
Wunderbarerweise bleibt die Qualität der Musiker auf weiterhin bestem Niveau, und so treffen wir uns sicher an der Küste wieder. Was mich sehr freut!

Grüße voller Vorfreude
ad

Vom guten Umgang mit dem Tod

So lautet der Titel der GEOWISSEN-Ausgabe aus dem Sommer (Nr. 51).

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Ich gehöre zu denen, die bedauern, wie tabuisiert die Themen Sterben und Tod in unserer Gesellschaft sind. In meiner Familie wurde so gut wie nie darüber gesprochen.
Für mich persönlich habe ich anders entschieden. Und bin froh, inzwischen eine Haltung einnehmen zu können, die mir hilft, das Thema mit Gelassenheit zu betrachten. Wir kommen aus dem Nichts und gehen ins Nichts. Davon bin ich überzeugt. Ich halte Sterben für die natürlichste Sache der Welt. Es ängstigt mich nicht, es beschäftigt mich nicht. Ich habe Frieden mit dem Thema schließen können, und darüber freue ich mich.

Denn ich wollte mein Leben nicht in Angst vor dem menschlichen Ende verbringen. Mein Vater hatte Angst vor dem Tod. Sehr sogar. Er hat zwei Kriege überlebt, ist fast neunzig geworden. Doch solange ich denken kann, ängstigte er sich sehr. Ein allgegenwärtiges Thema. Es wurde zu einer Art Bremse der Lebensfreude. So empfinde ich es als Befreiung, eine eigene Haltung zu Themen entwickeln zu können. In diesem Fall eine sehr versöhnliche.

Michel de Montaigne

„Berauben wir den Tod zunächst seiner stärksten Trumpfkarte, die er gegen uns in Händen hält, und schlagen wir dazu einen völlig anderen als den üblichen Weg ein: Berauben wir ihn seiner Unheimlichkeit, pflegen wir Umgang mit ihm, gewöhnen wir uns an ihn (…)“

Und das ist, finde ich, ein sehr guter Vorschlag.
Persönliche Grüße aus dem November
ad

November-Gedanken….

Auszug aus
So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!

von Christoph Schlingesief

„Als ich heute Morgen draußen war, um mir etwas zum Frühstück zu holen, habe ich plötzlich einen Stich in der Brust gespürt. Wohl wegen der Punktion von gestern. Aber das war ein gutes Erlebnis: Dadurch habe ich erst gemerkt, wie langsam ich gehe, wie vorsichtig. In diesem Moment war mir völlig egal, ob irgendjemand neben mir schneller lief. Es ging nur darum, dass ich aufpassen musste, nicht zu schnell zu gehen. Dieses vorsichtige, langsame Gehen hat mir gezeigt, wie sehr ich auf meinen eigenen Erhalt bedacht bin. Das sagt mir ja diese kleine Schmerznummer: Christoph, kümmere dich um dich selbst! Mach jetzt keinen Scheiß!
So wird das wohl nach der OP auch sein. Wenn ich aufwache, werde ich anders atmen. Dann darf ich nicht wie früher die Treppe raufrasen, sondern muss eben mal Aufzug fahren, darf bei Gesprächen nicht gleich losbrüllen, sondern muss mich zwingen, ruhig zu bleiben, um mich zu beschützen. Dieses Gefühl, sich beschützen zu müssen, ist wichtig – es macht einem klar, dass es nun wirklich um einen selbst geht.“

Danke, Christoph Schlingensief, wo auch immer Sie jetzt sein mögen…..
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