Weihnachtsfrieden

Corcordia Domi Foris Pax
Eintracht innen, Frieden außen

So steht es über dem Durchgang unseres Holstentores in Lübeck.
Gibt es eine bessere Überschrift für das Jahr 2015?

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In diesen Tagen liest man an vielerlei Stellen vom Weihnachtsfrieden 1914.
Durch die damalige Zensur hat das Wissen über diese besondere Begegnung von Soldaten verfeindeter Staaten bei uns nie den Bekanntheitsgrad erreicht, wie es in Frankreich und vor allem in England der Fall ist. Dort ist die Erinnerung sehr lebendig. Heute spricht Cameron zu diesem Gedenktag, Hollande ebenso.

1930 sagte ein Überlebender im englischen Parlament: Freiwillig hätte kein Soldat nach dieser Nacht und den folgenden wenigen Tagen ein Gewehr wieder in die Hand genommen. Ja, aus Kriegstagebüchern geht hervor, dass man sich sicher war, dass dieser besondere Frieden zumindest bis Silvester dauern würde: „Die Deutschen wollen die Fotos sehen, die wir gemacht haben.“

Damals brachen die Männer aller Seiten im Glauben in den Krieg auf, Weihnachten desselben Jahres wieder zuhause zu sein. So weit gefehlt.
Stattdessen fand man sich in einem zähen Stellungskrieg wieder, eingegraben in Schützengräben und bei eisigem Wetter. In den vier Jahren des ersten Weltkrieges starben mehr als 16 Millionen Menschen auf allen Seiten, von den Verwundeten ganz zu schweigen.

Entlang der Frontlinie kam es dennoch am 24. Dezember 1914 zu diesen denkwürdigen Begegnungen: Einige hielten Kerzen über die Schützengräben hinaus, andere einen kleinen Weihnachtsbaum – der  Weg ins Niemandsland ohne Waffen hatte seine Sternstunde. Zuerst sammelte jede Seite seine Toten ein und man begrub sie gemeinsam (!) in diesem Niemandsland. Man kam ins Gespräch. Viele der deutschen Soldaten sprachen englisch. Man sang miteinander. Man tauschte Fotos und Geschenke. Man lachte und wärmte sich an der überraschenden Menschlichkeit in diesem unmenschlichen Krieg.
Und schließlich gab es an einigen Stellen sogar ein gemeinsames Fußballspiel.

Fußballmatch zwischen Briten und Deutschen

Die Offiziere und Heeresleitungen reagierten unterschiedlich. So endeten diese denkwürdigen Begegnungen ebenso schnell, wie sie begonnen hatten. Doch nach dem Weihnachtsfrieden musste jede Seite seine Soldaten mit Druck und Waffengewalt wieder dazubringen, weiter zu kämpfen.
Es schießt sich schwer auf Menschen, die man kennen und schätzen gelernt hat…

Wenn wir nah genug an „die Personen“ herangehen, die uns so fremd zu sein scheinen, erkennen wir den Menschen in den Augen des anderen, der wir selbst sind. Es gibt in dieser Hinsicht auch 2015 viel zu tun.

Halten wir einerseits die Erinnerung an den Weihnachtsfrieden von 1914 gemeinsam lebendig. Und kümmern wir uns andererseits um unseren inneren Frieden.
Beides werden wir brauchen, um unsere Welt l(i)ebenswert zu erhalten.

Zugewandte Grüße
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Slow ChristmasSlow Weihnachten

 Dear readers,

I wish you and your family cheerful Christmas holidays, filled with islands of calm and cosiness.
However you are organising the celebration: enjoy it!

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 I myself will do likewise up to 30 Dec 2014 and have a break.

On New Year’s Eve I am going to take up writing again and entertain and inform you as usual – and with great pleasure and in a good mood – about our common subject Slow Life.

Till later then –

All the best,
ad Dear readers,

I wish you and your family cheerful Christmas holidays, filled with islands of calm and cosiness.
However you are organising the celebration: enjoy it!

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 I myself will do likewise up to 30 Dec 2014 and have a break.

On New Year’s Eve I am going to take up writing again and entertain and inform you as usual – and with great pleasure and in a good mood – about our common subject Slow Life.

Till later then –

All the best,
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Mein Freund, der Baum

„Als ich meine Karriere als Botaniker begann, konnte ich mir nicht vorstellen, dass die großen troptischen Wälder in kaum fünfzig Jahren unter meinen Augen verschwinden würden.
Sie waren ja so riesig.
Ihre höchsten Äste waren vor Jahrmillionen die Wiege der Menschheit, doch wir haben das vergessen.
(…) Ich habe gesehen, wie Menschen in wenigen Tagen tausendjährige Wälder vernichtet haben. (…) Das Gefühl meiner Ohnmacht macht mich wütend und traurig.“ Francis Hallé.

Zusammen mit dem Filmemacher Luc Jacquet entstanden sein Film und sein Buch:
Das Geheimnis der Bäume
http://cdn1.spiegel.de/images/image-111520-panoV9free-mmip.jpg

Damit ein zugrundegerichteter tropischer Regenwald wieder er selbst wird, dauert es 700 Jahre. Siebenhundert. Jahre. Die Bites und Bytes sind nicht von dieser Welt – ganz und gar wörtlich gemeint. Sie werden nie die Gelassenheit, die Schönheit und die Majestätik eines jahrhundertealten Baumes erlangen. Ich weiß, dafür sind Bites und Bytes auch nicht erdacht worden.

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Das ist auch das Besondere: Einen Baum musste niemand „er-denken“.
Sein Dasein war unvergleichlich klar. War.
Vielleicht belächeln wir Menschen, die – aus welchem Grund auch immer – Bäume umarmen. Ihren Duft einatmen, ihre Rinde ertasten, das Spiel des Lichtes im Blätterdach beobachten und sich daran erfreuen. Der Stärke der Wurzeln nachspüren und versuchen, deren Kräfte aufzunehmen.
Das Geräusch, welches Blätter im Zusammenspiel mit Wind oder Regen ertönen lassen, gehört für mich zu den tröstlichsten Lauten überhaupt.

Und Trost brauchen wir in dieser sich gewalt(!)ig verändernden Welt. Trotz des Schönen, was die Welt für uns auch in Zukunft bereithalten wird.
Ich sag ja nicht, dass Sie spenden sollen. Oder Pate werden. Oder sich anketten.

Es wäre ein guter Anfang, dem Baum Achtung entgegen zu bringen.
Denn das, was wir achten, behüten wir eher.

(Und dein Weihnachtsbaum? wispert da mein innere Stimme. Dein zugedüngtes Schnell-Wachs-Ex-und-Hopp-Bäumchen? Extra-für-Weihnachten-mit-unnadelnden-Nadeln-gezüchtetes unverzichtbares Dekorandum? Das is‘ doch was völlig anderes, wispere ich zurück. Natüüüürlich, setzt die innere Stimme wieder ein. Das hat was mit Tradition zu tun, schiebe ich nach, während mein Rücken der Wand schon gefährlich nahe kommt. TRADITION???? Ist Baum nicht gleich Baum?? Du doppelzüngige moral..  Na, und das erfordert ja wohl ultimative Gegenwehr: Du kannst einen wahnsinnig machen, unterbreche ich deshalb mit gekonnter Unsachlichkeit bei nur unwesentlich gesteigerten Dezibel und beende geschwind meinen Artikel. Also bevor ich in handfeste Erklärungsnot gerate…)

Grüne Grüße

Bei Laune bleiben

Schön auf die eigenen Bedürfnisse achten….. zwischen Einkaufstrubel,
Weihnachtsfeiern und langen Schlangen an den Kassen….

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Vielleicht einen Spaziergang in entspannter Stille?
Klare Luft, eisige See und eine weite Sicht. Tiefes Atmen.
Sich spüren, sich wohl fühlen, Abstand schaffen, ankommen bei sich selbst.

Balance ist kein Luxus – sie ist ein Bollwerk in diesen unruhigen Zeiten gegen den üblichen Mix aus fremden und eigenen Erwartungen, all den Konventionen, den gesellschaftlichen Herausforderungen und…und…und…

Stress fällt ja nicht vom Himmel, wie wir alle wissen, und nein, wir sind ihm nicht ausgeliefert – wir liefern uns höchstens aus.
Deshalb, um die Vorweihnachtszeit dennoch entspannt genießen zu können, bitte regelmäßig zum Besuch bei sich selbst vorbeischauen. Dann ist auch die gute Laune unter dem Weihnachtsbaum gleich viel robuster. Und  langlebiger und überhaupt viel schöner. Wenn das kein erstrebenswerter Effekt ist….

Schon mal durchgepustete Grüße
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Von rasenden Interpreten

Selbst die Musik eilt uns davon.

Beethovens „Siebte“ dauerte nach historischen Überlieferungen fast eine Stunde. Davon sind wir heute weit entfernt.

Auch deshalb gibt es Künstler, die sich dem Tempo giusto verschrieben haben.
Die Begriff Tempo giusto (ital. „richtiges Tempo“) beschreibt ein Tempo, das für eine bestimmte Art von Musikstück als „üblich“ oder „angemessen“ gilt. Chopin z.B. schrieb für seine Walzer op.64,2 und op 70,2 Tempo giusto vor.

Klavier_02

Aber was ist heute angemessen? Der Hamburger Pianist  Uwe Kliemt forderte schon vor Jahren ein „Tempolimit für Klassik“. Die Raserei von Interpreten – nicht nur auf dem Klavier – empfinden inzwischen immer mehr Menschen als beklagenswert.

Eine Antwort ist die internationale TEMPO-GIUSTO-BEWEGUNG, ein Zusammenschluss von Musikern, denen die Gestaltung von Musik mehr bedeutet als die Einspielung neuer Geschwindigkeitsrekorde.

In der Klassik hatte musikalische Bewegung nur wenig mit messbarer Geschwindigkeit zu tun. Historische Quellen weisen nach, dass den Komponisten klassischer Musik nicht die äußere Geschwindigkeit, sondern die innere Bewegung ein Anliegen war. Die Wiederentdeckung dieser verloren gegangenen Musikkultur erfreut in unserer rastlosen Zeit viele Musikfreunde auf der ganzen Welt.

Uwe Kliemt: “ Da gibt es eine Stelle (Eroica) im ersten Satz, mit genau diesem Rhythmus, „lang-kurz-kurz“. Das muss rhythmisch prägnant hörbar sein. Danach muss man das Tempo des ganzen Satzes einrichten. Ein anderes Beispiel: Mussorgski notiert im „Marktplatz von Limoges“ aus den „Bildern einer Ausstellung“ fünfzig Fortissimo-Sforzati, als o herausgehobene Töne, auf zwei Seiten. Das heißt, man hat unglaublich viel damit zu tun, diese Töne, die hervortreten sollen, herauszuplastizieren.“
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Und genau das scheint verlorengegangen zu sein. Sich die Zeit zu nehmen (oder im Orchesteralltag zugestanden zu bekommen?), etwas „herauszuplastizieren“.
Etwas entstehen zu lassen, dass in seiner angemessenen Langsamkeit erfahrbar wird. Und nah. Unglaublich nah. Er-greifend.
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Schnelligkeit ergreift uns nicht, sie raubt uns den Atem.
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Es ist also nicht verwunderlich, dass damit auch das Metronom ins Visier gerät, ein Gerät, dass es vor Beethoven noch gar nicht gab.
Elmar Bozetti, Einführung in musikalisches Verstehen und Gestalten, Diesterweg Verlag, Frankfurt, 1988
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„Die allgegenwärtige Unterhaltungsmusik heute rückt Grundschlag und gleichförmige Taktbetonung stark in den Vordergrund, damit der Konsument sich einschwingen kann in eine gleichförmige Bewegung, von der er sich passiv und selbstvergessen tragen lassen kann. Das Metrum bekommt so die Bedeutung eines kollektiven Gleichschritts, der jede Regung des individuellen Bewusstseins verdrängt und jede innere Aktivität lähmt.
(…)  Zeitgenössische Kunstmusik ist deshalb zum großen Teil dadurch gekennzeichnet, dass das traditionelle Zeit-Ordnungssystem des Metrums nicht mehr gilt. Dieser Sachverhalt lässt sich erklären als Reaktion auf die metrische Übersättigung, unter der die Musik und ihre Hörer heute leiden. Metrische Strukturen sind zu Klischees geworden, die uns so vertraut sind, dass wir nicht mehr recht hinhören.“
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Mit dem Erspüren von möglichst authentischen Tempi der klassischen Musik suchen wir nicht das richtige Tempo, sondern das rechte Maß. Einmal mehr – das rechte Maß. Eine gute Balance. Es ist doch erstaunlich – jedenfalls für mich – auf welch weit verzweigten Gebieten wir der Geschwindigkeit den Vorrang  gewähren.
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Chorknaben
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Lassen wir es deshalb langsam angehen….beim Anstimmen der Weihnachtslieder: schmettern wir, krächzen wir, singen wir, jubilieren wir – Hauptsache alles mit Hingabe. Denn Hingabe erfordert Zeit. Und aus sich Zeit nehmen entsteht Genuss!
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(Und für diejenigen, die sich sicher sind, dass bei ihrem Gesangstalent nirgendwo ein Genuss entsteht…….mit ganzem Herzen dabei zu sein ist alles!)
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Musikalisch ganz wunderbar entschleunigte Grüße
ad
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Apfel, Nuss und MandelkernApples , Nuts, and Almonds…

Ach, ich bin ein Freund von Weihnachtsmärkten.
Bleibt ja als Lübeckerin auch gar nicht aus….
Ich habe sehr schöne Erinnerungen an unseren Weihnachtsmarkt – und auch an andere: vor dem Charlottenburger Schloss zum Beispiel. Mit den Kindern, mit Freunden und auch alleine. Ich mag liebgewonnene Traditionen.

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Genießen Sie mit mir die vorweihnachtliche Zeit – wo auch immer Sie zu Hause sind.
Lassen wir uns von Düften nach Eierpunsch und Lebkuchen, nach gebratenen Maronen und Mutzengebäck in aller Ruhe verführen.
Denken wir nicht an den schnöden Mammon, politische Korrektheit oder gar an Kalorien, und lassen wir uns von all der Weihnachtsmusik gelassen volldudeln.
Ganz frei nach dem Motto
(Auszug: Alter Berliner Weihnachtsmarkt):

Für einen Sechser Schmalzkuchen schmecken,
Mumpitz machen an allen Ecken –
Mag auch der Regen vom Himmel fließen,
Das muß der wahre Berliner, äh Lübecker genießen

Leckere und auch ein bisschen backsige Grüße vom Lübecker Weihnachtsmarkt
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.Oh, I love Christmas markets.

Being from Lübeck it is inevitable anyway …Dezember 2013 197

I have happy memories of our Christmas market – and of others, first of all the one in front of the Charlottenburg Palace in Berlin, with our children, with friends and just on my own. I appreciate well-loved traditions.

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Come and enjoy with me the time leading up to Christmas, wherever your home is. Let’s take our time and be seduced by scents of eggnog and ginger bread, of roast chestnuts and ‘Mutzen’.

Let’s forget about the filthy lucre, political correctness, and even calories and let’s take in all that Christmas music and let’s take it easy, according to the motto (from: ‘Alter Berliner Weihnachtsmarkt’):

Tasting doughnuts for a sixpence,

Making nonsense wherever you are.

May the rain pour down from the skies –

this is what a true citizen of Berlin, er, Lübeck must enjoy.

Yummy and somewhat sticky regards from the Lübeck Christmas market,
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Von Elfenbeintürmen

Jetzt ist die mutige Studentin also verstorben, die in Offenbach zwei Frauen zur Hilfe geeilt war und dafür vom Angreifer lebensgefährlich verprügelt wurde. Das syrische – und nicht nur dieses – Flüchtlingsdrama nimmt immer größere Dimensionen an. Die Rassenunruhen in Amerika. Die Menschen in Griechenland sind nach wie vor verzweifelt – wo arbeiten? Wovon leben?

Niemand muss uns erst erzählen, welch vielfältige Dramen sich auf dieser Welt abspielen…existentiell, Fragen von Leben oder Tod.

Und dann Slow Life. Frage nach Muße. Lebensqualität. Haben wir nichts anderes zu tun? Wird das nicht alles unglaublich nichtig neben solch schier unüberwindlichen Schwierigkeiten?

Ein Slow-Life-Experte sitzt nicht im Elfenbeinturm. Und nein, er betreibt keine Nabelschau mit dem Focus auf sämtliche Spielarten, die das Wort Faulheit innezuhaben scheint.

Es ist vielmehr so, dass besonders in der Auseinandersetzung mit dem Leben im Hier und Jetzt, mit der Realtiät, deutlich wird, wieviel mehr Slow Life bedeutet als die häufige Kolportation als eine Art Leben im Zeitlupentempo.

Mahatma Gandi

Slow Life steht für eine Haltung – mit vielen Facetten. Zu der Haltung gehört, Leben zu respektieren. Menschen zu respektieren. Bedürfnisse ernstzunehmen. Auch die eigenen. Verantwortungsvoll auf Zusammenhänge zu schauen und in der eigenen kleinen Welt das Richtige zu tun. Sich Zeit zu nehmen, um nachzudenken und um Abstand zu finden. Einen Abstand, der nicht Wegschauen bedeutet, sondern Verbesserung der Sicht.  Um dass Sinnvollere von dem weniger Sinnvollen unterscheiden zu können.

Dennoch habe ich manchmal Zweifel. Ich weiß, wovon ich rede, wenn ich das Wort Slow Life in den Mund nehme. Aber Slow Life-überzeugt zu sein, macht niemanden zum besseren Menschen.

Die Idee war und ist: Nachhaltigkeit, Muße, Qualität, Genuss, Tempodrosselung. Anders ausgedrückt:
eher nah als fern – eher wenig als mehr – eher leise als laut – eher langsam als schnell
und eher Qualtiät als Masse.

All das ist für mich Ausdruck von verantwortungsvollem Umgang mit Menschen, Tieren, Flora und Fauna, mit unserer Erde.

Reicht das? Und wenn ja, wofür?

Nachdenkliche Grüße
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