Puppet on a string…

Ich mochte Marionetten noch nie. Die Kasperle-Figuren ja, die Marionetten nein.
Clowns waren auch so eine Sache.

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Schaue ich in diesem Zusammenhang auf die deutsche „Demonstrationskultur“, dann gibt es die in meinen Augen gar nicht.

In Frankreich ja, in Deutschland nein.

Wir scheinen so gesehen ziemlich leidensfähig zu sein. Jedenfalls frage ich mich, was noch so passieren muss, bevor wir uns vor dem Kanzleramt einfinden und unserem Unmut lautstark – wenngleich gewaltfrei – Luft machen. Es gibt eine Menge wissenschaftlicher Untersuchungen, warum die Deutschen so wenig Protestrufe aktiv auf der Strasse hören lassen.
Es geht mir hier nicht um Themen. Es geht um den Akt als solchen.
Auf die Strasse zu gehen und laut gegen missliche Entwicklungen zu protestieren, ja, sich Gehör zu verschaffen und als unübersehbare Bürger und Bürgerinnen in Erscheinung zu treten: das ist doch ein lohnender Akt.
Wir verdanken so vielen Menschen, die eben das für uns gemacht haben, vielerlei liebgewonnene Selbstverständlichkeiten: Arbeiterbewegung, Gleichberechtigung etc.

Wir schimpfen auf die Journalisten, die nicht „richtig“ berichten – und belassen es dabei. Wir schimpfen auf Politiker und ihre Entscheidungen – und belassen es dabei.
Wir schimpfen auf wirtschaftliche und soziale Fehlentwicklungen – und belassen es dabei.
Marionetten gleich lassen wir mit uns machen, was Politiker oder Wirtschaftsbosse wollen.

Nehmen wir den Protest doch selbst in die Hand.
„Opfern“ wir einen Tag, einen Nachmittag, ein paar Stunden. Setzen wir uns ein für das, was uns wichtig erscheint. Kaufen wir eine Fahrkarte für den Bus und fahren hin.
NIcht meckern, murmeln, beleidigt sein  – sondern offen, konstruktiv voran.

Ich weiß, es gibt zur Zeit sehr viele „große Themen“ – wenn ich an allen Demos dafür (die es real nicht gibt s.o.) teilnehmen würde, käme ich zu nichts mehr.
Dennoch: ich suche mir die für mich wichtigen – und los geht’s.
Und auch die lokalen Entscheidungen vor Ort sind in meinen Augen häufig den Protest wert!
Eine stille, lenkbare Masse – wollen wir das tatsächlich sein?
Dies ist kein Aufruf zu kopflosem Geschrei oder Durchsetzung von Einzelinteressen.
Auch nicht für Fanatismus jedweden Coleurs. Und schon gar nicht zu Gewalt.
Es geht darum, als Bürger und Bürgerin öffentlich in Erscheinung zu treten.
Sich vorher über Argumente und Zusammenhänge (eigene!) Gedanken gemacht zu haben.
Damit wir nicht als Marionetten durchs Leben laufen. Denn das hat auf Dauer noch niemandem gut getan. Außer natürlich den Strippenziehern.

Wache Grüße
ad