Glücklich bis zum Feierabend

Glückswissenschaftler fragen sich schon eine ganze Weile, wo denn – so denn vorhanden – Glücksgefühle der arbeitenden Bevölkerung auf dem langen Weg in die abendliche Freizeit bleiben. Mit anderen Worten: wohin verschwindet unsere gute Laune? Denn falls wir nicht glücklich und zufrieden sind, so beeinflusst das die Produktivität, die Gesundheit, das Sozialleben. Und Zufriedenheit ist kein netter Boden im Job – Zufriedenheit ist ein Wirtschaftsfaktor.

Feierabend, Acryl auf Leinwand, 100 x 120, ad

Wissenschaftler haben zudem herausgefunden, dass unser Fortkommen im Job zu 75 % geprägt ist von Optimismus, Stressresistenz, Unterstützung von Freunden und Familie. Wobei nicht Erfolg glücklich machen soll, sondern Glück mache erfolgreich.

Der alles entscheidende Blick bleibt jedoch der eigene. Der englische Schriftsteller Lawrence Durell sagte – nicht als einziger -, dass Glück oft nur auf dem Entschluss beruhe, glücklich zu sein. Insofern: Nicht die Realität formt uns, sondern die Linse, durch die wir die Realität sehen.

Die Linse ist durch uns beeinflussbar, soviel steht fest. Der Psychologe Shawn Achor hat an der renommierten Hochschule Harvard Studenten beobachtet: Nach zwei Wochen Glücksgefühlen der Studenten, dass sie nun tatsächlich in Harvard studieren durften – zählte nur noch die Arbeit, der Wettbewerb, der Stress, die Beschwerden. Das endlich Erreichte – das Studium in Harvard – fiel also Ruckzuck dem Vergessen anheim.

Der Mensch neigt also dazu, schnell zu vergessen, dass das, was er nun hat, ja ganz lange die Sehnsuchtsformel war: wenn ich xy hätte, oh, was wäre ich dann glücklich.

Nun hat man es – und ab in neue Sehnsüchte. Also wieder eine Zeit der „Entbehrungen“ (nämlich der Zeit der Nicht-befriedigung von Wünschen) und dem, was da ist, wird stante pede der Wert entzogen. Es wird zu „normal“ und wird damit sofort mit einem Verlust an Wert „bestraft“. Normal ist wertlos. Sehnsucht ist alles.

Was wir haben, zählt nicht. Nur was wir nicht haben, verdient Energie und Emotionen. Glücksgefühle als Hoffnungsmodell? Wenn, dann?

Deshalb: Schreiben Sie jeden Abend drei Dinge auf, die wirklich gut waren. Worauf waren Sie stolz? Worüber haben Sie gelacht? Was war gelungen? Wertvoll?

Machen wir uns am Abend bewusst, was der Tag zu bieten hatte, dann bleit es uns besser Gedächtnis. Was wir nicht wiederholen, hält unser Gehirn nämlich für irrelevant – und hat es schnell vergessen. So können wir aber nichts Positives längerfristig in unserem Hirn verankern. Deshalb: abendliches Aufschreiben.

Ich möchte auch daran erinnern, dass wir zudem immer noch von „Feier“abend sprechen – also lassen Sie uns etwas draus machen.

Unternehmungslustige Grüße
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Slow Sunday

„Aus dem Moment wurde ein langer Moment, und auf einmal war es ein sehr langer Moment – so lang, dass es schwer zu sagen war, wo all die Zeit herkam.“
(Douglas Adams, Per Anhalter durch die Galaxis)

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Ich wünsche Ihnen allen viele lange und glückliche Momente!

Zuversichtliche Grüße
ad

Slow sitting

„Nur der Denkende erlebt sein Leben. Am Gedankenlosen zieht es vorbei.“

(Marie-Luise v. Ebner-Eschenbach)

Können wir das so stehen lassen? Sicher gibt es noch andere Blickwinkel auf das Thema. Aus der Richtung der Achtsamkeit stimmt die Aussage.
Weil Achtsamkeit Bewusstheit bedeutet. Und Bewusstheit bedeutet Präsenz.
Hier und Jetzt. Wach. Körperlich und (!) geistig anwesend.
Eben das Gegenteil eines Lebens auf Autopilot.

Es braucht ja kein „immer“ zu sein. Aber wir sollten schon die eigene Kapitänsbrücke nicht unnötig oder gar aus Gewohnheit verlassen.
Wer morgens schnuckstracks im Maschinenraum verschwindet, sich den ganzen Tag nicht auf der Brücke sehen lässt und sich abends fragen muss, wo das eigene Schiff überhaupt vor Anker gegangen ist, der zum Beispiel hätte jetzt eine „Hausaufgabe“:

Jeden Tag 10 Minuten hinsetzen und die Aufmerksamkeit so viel wie möglich im eigenen Körper halten. Am besten stets zur gleichen Zeit. Und am gleichen Ort.
In dem wir im Kontakt mit unserem Körper sind, sind wir im Jetzt verankert.

Es geht noch einfacher:
solange Sie den Stuhl, auf dem Sie sitzen, spüren, sind Sie im Hier und Jetzt.
Jeden Tag 10 Minuten. Das ist drin.

Spürbare Grüße
ad

Die Säule unserer Zukunft

„Person ist die Basis für Persönlichkeit. Das eine ist man, das andere wird man.“

Wilhelm Arnold, Psychologe (1911 – 1983)

Ob wir uns zu einer reifen Persönlichkeit entwickeln, hängt von vielen Faktoren ab. Der Duden beschreibt Persönlichkeit mit der „Gesamtheit der persönlichen Eigenschaften eines Menschen“. Das Ergebnis dieser Gesamtheit strahlt bis tief in unseren Alltag und entscheidet fundamental darüber, ob wir zu Bindung und Lebensglück fähig werden. Und ob wir uns als gesunde, reflektierte Persönlichkeit mit diesen Fragen beschäftigen mögen: Wer sind wir? Was zeichnet uns aus? Wie prägen wir mit unserem Denken und Handeln die Welt, in der wir leben?

Der komplexe Prozess der Identitätsbildung beginnt mit der Geburt als dynamischer Prozess, ihre Bildung und Entwicklung bleibt ein lebenslanger Verlauf. Dabei prägen und formen uns sowohl innere als auch äußere Faktoren, die wiederum in einem komplexen Verhältnis zueinanderstehen. Zu den Variablen, die unser persönliches Wachstum von innen her beeinflussen, zählen das Temperament, erbliche Anlagen und sämtliche Form von Erfahrung (bisherige Entwicklung von Werten, Einstellungen, Erwartungen und Ängste). Zu den äußeren Faktoren zählt die Umwelt: Familie, Freunde, schulisches und berufliches Umfeld.
Besonders Kinder und Jugendliche sind noch äußerst leicht zu beeinflussen, weshalb hier ein stabiles Umfeld für die Persönlichkeitsentwicklung von großer Bedeutung ist. Ein vorhandenes Urvertrauen stärkt das persönliche Wachstum und bildet eine unvergleichliche Schutz- bzw. Stärkungsfunktion vor diversen Gefahren und Herausforderungen auf dem Weg zum Erwachsensein und darüber hinaus.

„Persönlichkeit“ als Begriff wird in unterschiedlichen Kontexten verwendet. Über kleine Kinder wird manchmal gesagt, dass sie kleine Persönlichkeiten seien – meistens ein Ausdruck für einen stark ausgeprägten Willen. Auch Menschen, die von der Gesellschaft für ihre bedeutsamen Errungenschaften gewürdigt werden, werden als „herausragende Persönlichkeiten“ gewürdigt. Mit ihrem Handeln inspirieren diese Menschen andere – Gutes wird multipliziert.

Wenn eine Gesellschaft möglichst viel „Gutes multiplizieren“ möchte, dann ist Bildung das alles entscheidende Moment: Herzensbildung, Schulische Bildung, Berufsausbildung.
Diese Form von Bildung fängt mit der Bindungsfähigkeit eines Menschen an, geht über seine Ausstattung mit sozialer Kompetenz bis hin zur eigenverantwortlicher Lebensführung.

Das A und O: Urvertrauen. Es lässt Persönlichkeiten behutsam wachsen und gilt in der Forschung als wichtiges persönlichkeitsbildende Merkmal. Die ersten Lebensjahre sind für die Ausreifung des „sozialen Gehirns“ entscheidend. Eine zentrale Rolle spielt dabei die frühkindliche Bindungserfahrung mit der primären Bezugsperson, die nicht zwingend die biologische Mutter sein muss.

Durch die Art, wie die engste/die engsten Bezugspersonen mit dem Kind umgehen, lernt das Kind Gefühle zuzuordnen und zu verarbeiten. Das betrifft besonders den Umgang mit Stress und Belastungen sowie die Entwicklung empathischer Fähigkeiten (die die Grundlage für die soziale Kompetenz bilden). Kinder nehmen die erfahrene Liebe, Geborgenheit, Wertschätzung und Bildung mit auf ihren Lebensweg und werden so selbst zu Säulen einer intakten, fürsorglichen Gesellschaft der Zukunft.

Eine reife, gesunde Persönlichkeit ist damit die alles entscheidende Größe für ein respektvolles, kluges, entspanntes (gesellschaftliches) Miteinander. Ist das nicht der Wunsch vieler Menschen? Ein solcher zwischenmenschlicher Umgang, der uns alle stärkt und im besten Sinne zufriedener macht?

Familie und Staat muss sich diese Aufgabe verantwortungsvoll teilen. Wir haben als Mensch auf dieser Welt nur dieses eine Leben. Tun wir alle unser Bestes.

Persönliche Grüße
ad

Slow struggling

Das berühmt-berüchtigte Einerseits-Andererseits.
Hier der Kritiker, da der Befürworter.
Hier die Couch, da der Sport.
Soll ich oder soll ich nicht.
Wenn das, dann jenes.

ad

Wer kennt dieses innere Gezerre nicht? Die Autorin, Natalie Goldberg, hat da einen guten Vorschlag, der trefflich auch auf andere Tätigkeiten übertragen werden kann.

„Wenn ihre beiden „Ich’s“ sich streiten wollen, lassen Sie sie. In der Zwischenzeit sollte der vernünftige Teil aufstehen, zum Schreibtisch gehen und beginnen aus einem tieferen, friedlicheren Ort heraus zu schreiben.“

So machen wir das jetzt auch. Nix mehr mit Hab-ich-Lust-habe-ich keine Lust. Wir lassen  unsere Stimmen sich unterhalten – oder was auch immer die da treiben –
und tun. Einfach. Was getan werden muss.

Leben kann so einfach sein.

Heitere Grüße mit Durchblick
ad

Slow und so

„Es gibt wenig aufrichtige Freunde. Die Nachfrage ist auch gering.“

Marie v. Ebner-Eschenbach

Oha. Grüße
Ach ja – und fröhliche Ostern!
ad

Mehr als nur (!) das Leben

Die meisten Weltreligionen versprechen ein besseres Leben nach dem Tod. Allerdings nur, wenn wir uns im Diesseits ordentlich anstrengen. Wir ackerten also, um es im vermeintlich(?) nächsten Leben endlich(!) besser zu haben.

Mit der Religion haben wir es heute nicht mehr so. Das passt gut, denn unser westlicher Religionsgedanke wurde von dem Versprechen der Konsumanbieter abgelöst, das Heil bereits im Diesseits zu finden, und das, in dem man uns mehr als nur (!) das Leben versprach.

Mehr als das Leben. Es geht um Intensität. Leben reicht nicht mehr, es sollte schon ein intensives Leben sein, optimiert bis in die Fingerspitzen. Dies ist weder eine pauschale Kapitalismuskritik noch ein Aufruf zum kompletten Konsumverzicht. Es ist ein Aufruf, wach zu bleiben – und selbst zu denken.

Intensität = die Kraft, mit der etwas wirkt. Es geht um Energietransport, um Einfluss eines Mediums und vor allem geht es bei Intensität um Sättigung. Die Konsumanbieter gingen soweit, zu versprechen, dass bei einem Kauf eine emotionale Sättigung eintrete.  Sie schafften es – und wir machten eifrig mit -, uns einzureden, dass eine emotionale Sättigung viel praktischer und schneller und schöner und einfacher und vor allem häufiger und verletzungsfreier durch Kauf zu erlangen sei. Ehrliche, direkte, authentische emotionale Sättigung von Mensch zu Mensch oder gar aus sich selbst heraus – für die wir nichts Käufliches brauchen – wurde zu einem rückständigen Konzept.

Damit das mit dem Einreden klappte, arbeiteten Werbung und Konsumanbieter mit aller Kraft daran, unserem Denken und Handeln größtmögliche Verunsicherung zukommen zu lassen, auf das wir unserem eigenen Urteilsvermögen misstrauen und abgeschnitten werden von unserer wahren inneren Bedürfnislage. Und so sind wir Menschen umzingelt von Werbungs-Reizen – lauten, leisen, schrillen, subtilen, angstschürenden, unwahren – und jeder dieser Reize schreit: glaub dir nicht, glaub uns!

Also: Reiz – Reaktion – und peng. Reiz – Reaktion – und zack. Sehen – kaufen – Hochgefühl. Das Haben hat das Er-Leben abgelöst. Es geht um konsumieren: Produkte oder Kicks, ganz egal. Auf jeden Fall – mehr davon.

Da das erstandene Produkt nur ein Ersatz für echte Emotionalität ist, bekommen wir schnell mit, dass der Rausch, das Hochgefühl, nicht lange vorhält. Und das weiß die Konsumgüterindustrie – schließlich ist es ihre Geschäftsgrundlage: Erst verunsichern, dann die Verunsicherung „heilen“. Entsprechend hoch muss die Kauftaktung sein, damit der Konsument in seiner Selbstversorgung mit Intensität einerseits nicht nachlässt und andererseits nicht etwa ins Nachdenken kommt. (Beim Nachdenken könnte z. B. rauskommen, dass wir uns selbst genügen und lieben, so wie wir sind, was man auch ein gesundes Selbstwertgefühl nennen kann.) So sorgen die Konsumanbieter dafür, dass ständig etwas Neues, noch Tolleres, noch Unverzichtbareres angeboten wird, wir gleichzeitig nach etwas Neuem schreien und inzwischen meint niemand mehr zu wissen, was eigentlich Huhn und was Ei ist.

Das war und ist der Weg in die Sucht. Die Sucht nach Intensität. Da sich die versprochene Intensität durch Konsum wie beschrieben als Mogelpackung erweist, müssen nun die ständigen Reizorgien immer größer und größer sein, damit sie bei uns noch dieselben – intensiven – Reflexe und rauschhafte Zustände auszulösen vermögen. Der Mensch versucht also durch immer mehr Konsum die gepriesene Intensität durch entsprechend suchthaftes (Kauf-)Verhalten am Kochen zu halten, denn darum geht es, das heißt doch Leben – oder etwa nicht? Intensität, Kicks, Maxima, Ultras, mehr und mehr und mehr, mehr als nur Leben – um endlich….ja, was eigentlich? Um Befriedigung kann es nicht gehen. In dem Wort steckt das Wort Frieden. Oder doch? Also in der Hoffnung worauf? Was kommt nach Bungee-Jumping und Shopping-Queen?

In dem Wort Sucht steckt das Wort suchen. Die Menschen sind offensichtlich auf der Suche, wenn sie sich im Dschungel des Konsums verheddern. Was auch immer es ist, was da gesucht wird, es scheint offensichtlich nicht zu kaufen zu sein.

Das Ergebnis ist, dass wir inzwischen wie ein vollends leeres Gefäß gesehen werden (und offensichtlich uns selbst so sehen), in das ständig von außen – durch Konsum – etwas hineingeworfen werden muss, um glücklich zu sein. Wir sind erfolgreich dressiert worden und haben uns dressieren lassen. Das alles hat dazu geführt, dass wir so verunsichert sind, dass uns scheinbar ständig jemand sagen muss, was wir machen sollen – was wir kaufen, essen, anziehen, wie wir uns einrichten sollen. Wir haben zugelassen, so weit von uns, unserer Intuition, unserem Gefühl für den eigenen Körper, unserem gesunden Menschenverstand entfernt zu sein, dass wir meinen, die einfachsten Entscheidungen nicht mehr allein treffen zu können.

Die Kreise, die wir mit dieser Einstellung ziehen, sind elementar. Wir haben verinnerlicht, dass wir in irgendeiner bestimmten Art und Weise etwas „brauchen“, um glücklich, zu sein – Menschen, Dinge, die richtige Temperatur und wer weiß, was noch. So pulen wir uns gewissermaßen selbst auf den Haken: wir bauen Abhängigkeiten auf nach dem Prinzip „wenn-dann“: Wenn ich Produkt x hätte, dann könnte ich – endlich – glücklich sein und ich wäre – endlich – ok.

Das Prinzip „wenn-dann“ funktioniert allerdings auch gänzlich ohne käufliches Produkt: Wenn die Sonne jetzt scheinen würde, dann könnte ich glücklich sein. Leider scheint sie nicht (wieso habe eigentlich immer(!) ich so ein Pech) und deshalb bleibt mir nichts anderes übrig, als unzufrieden zu sein.(Opfer) Wenn es ums Unglücklichsein geht, dann sind wir Menschen ja erfinderisch.

Und so lassen wir angefangen bei der Ernährung, über die Medizin, über Erziehung, über das Modediktat, über unseren Körper, über weiter und weiter bis dazu, wie wir „am besten“ (nämlich im Sinne der Konsumanbieter) einkaufen(!), erzählen, was wir zu tun und zu lassen haben, um glücklich zu sein. Bis wir endlich, endlich an der Konsumnadel hängen und ohne die geringste Hinterfragung nur noch schlucken, was man uns thematisch vorsetzt. Damit laufen wir Gefahr, die Entscheidungshoheit komplett fremden Händen zu überlassen.

Wir sind das Produkt, an dem gefeilt wird, um noch den letzten Cent aus uns raus zu quetschen, aber noch viel mehr geht es darum, dass wir den Glauben an uns selbst verlieren. Die Heilsversprechen der Werbung – komplett egal aus welcher Produktrichtung – zielen auf uns, denn wir sind das eigentliche Produkt.

Die Verzweigungen und die Willkür innerhalb dieses Kapitalismus-Konstrukts sind in meinen Augen skrupellos. Über Jahrzehnte galt ein Blutzuckerwert ab 140 als bedenklich bzw. krankhaft. Dann hat sich die Pharmaindustrie überlegt – mit entsprechender Unterstützung „unabhängiger“ Ärzte -, womit sie mehr ihrer Produkte zur Blutzuckerregulierung verkaufen kann. Sie kam auf die glorreiche Idee (hat sicher zu wundervollen Boni geführt), den praktizierenden Ärzten und damit uns erfolgreich „zu verkaufen“, dass ein Wert bereits ab 120 krankhaft ist. Das Ergebnis dieser Aktion können wir in entsprechenden Bilanzen nachlesen.

Von dieser Art willkürlicher Akte gibt es eine schier endlose Zahl in allen Bereichen unseres Lebens. Wir haben zugelassen, dass wir unserem eigenen Körper entfremdet sind.

Ich wünsche mir eine stille Revolution. In uns selbst. Für uns. Pause. Nachdenken. Und dann konsumieren wir mit Verstand – und genießen.

Kapitalismus und Konsum sind keine Naturgewalt. Sie werden hergestellt. Gegen Herstellung ist nichts zu sagen. Aber gegen blinden Gehorsam.

Überlegte Grüße
ad

Weisheit zum Wochenanfang

Du kannst nicht verlieren.

Entweder Du gewinnst

oder du lernst.

ad

Nickende Grüße
ad

Slow breathing

„Man sollte nicht glauben, wie gut man auch ohne die Erfindungen des Jahres 2500 auskommen kann.“
Diese weisen Worte des Herrn Tucholsky aus dem Jahre 1932 haben ihre Bewandtnis behalten – all dem technischen Firlefanz, der uns umgibt, zum Trotz.

Wenden wir uns deshalb lieber der Entspannung zu. Genauer gesagt, unserer Atmung. Atmung ist mehr als eine lebenswichtige Notwendigkeit. Lässt man ihr die Achtung zukommen, die sie verdient, dann hilft sie, unsere Psyche und unseren Körper in gesunder Balance zu halten, beruhigt bei Angst, stärkt nachweislich unser Immunsystem und kann sogar Depressionen oder Herzleiden lindern.

Der Schlüssel dazu liegt in der zentralen Rolle der Atmung für alle Vorgänge im Körper: Denken, Verdauung, Muskelbewegungen – Sauerstoff wird einfach überall gebraucht. Die Schlüsselrolle hängt u. a. damit zusammen, dass durch die beiden Lungenflügel der größte Nerv des Parasympathikus – der Nervus Vagus – vom Gehirn bis zum Darm reicht und an der Regulation aller inneren Organe beteiligt ist. Und auf ihn können wir durch unsere Atmung Einfluss nehmen. Wir brauchen dafür lediglich unser waches Bewusstsein – das Atmen selbst erledigt unser Körper von ganz allein.Bildergebnis für Atmung

So können wir durch die – beeinflussbare – Atmung zum Beispiel den Herzschlag oder die Menge an Stresshormonen herunterregulieren. Letztlich können wir zu allen Beschwerden über die Atmung Zugang finden und beruhigenden Einfluss nehmen.

Vorausgesetzt, wir gönnen uns die Zeit zur sanften, tiefen Bauchatmung. Bei unserem krankhaften Verhältnis zum Thema Zeit ist es kein Wunder, dass es bei den meisten von uns leider nur noch zur knappen Brustkorb-Atmung reicht. Wenn man Dr. Andrew Weil, Medizinprofessor an der Universität von Arizona, Glauben schenken mag, dann  ist unsere verflachte Atmung für 70 % aller Gesundheitsprobleme verantwortlich.

Zeit, etwas dagegen zu tun. Hier einige Übungen…

Legen Sie sich ein schweres Buch auf den Bauch. Atmen Sie über die Nase ein und spüren Sie, wie es sich durch das Einatmen hebt und durch das Ausatmen senkt. Wenn sie das täglich zweimal (idealerweise morgens vor dem Aufstehen damit beginnen) über etwa 10 Minuten trainieren, wird ihnen die Bauchatmung ein ganz natürlicher Begleiter durch den Tag werden.

Sollte es Ihnen einmal nicht gut gehen, Sie vielleicht sogar ängstlich sein, dann setzen Sie sie sich aufrecht mit geschlossenen Augen hin, lenken ihre innere Aufmerksamkeit auf das langsame Ein- und Ausatmen und spüren, wie ihr Körper sich entspannt. Alle Last fällt von Ihnen ab. Bei jeder Ausatmung denken Sie: VERTRAUEN.
Dauer ca. 5 Minuten.

Machen Sie sich Ihren Atem zum guten Freund und Unterstützer. Es lohnt sich, ihn zu trainieren und vor allem – ihn zu genießen.

Leichte Grüße
ad

Die Gedanken sind frei

Ja, noch sind sie das. Wenn Silikon Valley und seine Handvoll Milliardäre samt Abermilliarden von Daten für fleißige Algorithmenrechner nicht endgültig die Oberhand gewinnen. Weite Teile des Silikon Valley gehören den Reichen und Erfolgreichen, die Demokratie für überholt halten und an ewigem Leben interessiert sind. Zuckerberg for president! Ein Alptraum.

Silikon Valley – und das gilt für alle anderen Groß-/Konzerne gleichermaßen – sind an Gewinnmaxierung interessiert und an sonst gar nichts. Konsum anfachen, einem Feuer gleich, darum geht es. Aber auch Feuer will mit Bedacht behandelt werden, um seine positiven Eigenschaften entwickeln zu können.

James Williams, ein ehemaliger Google-Mitarbeiter, und heutiger Ethikexperte beschäftigt sich mit Aufmerksamkeitsökonomie und der manipulativen Kraft von Apps. Er spricht in einem Beitrag auf Arte (Hirnstatus offline) davon, dass schon in den 70ern wissenschaftlich nachgewiesen wurde, dass bei Reizüberflutung unsere Aufmerksamkeit nachlässt. Wir werden langsamer und schützen damit unser Hirn vor Überflutung. – Das ist den meisten bekannt.

James Williams: „Ziel ist es, die Aufmerksamkeit einzufangen und auszunutzen. Der Verbraucher ist das Produkt. Viele begreifen das nicht.(…) Wenn ich mich für eine Sekunde Langweile, ziehe ich das Smartphone aus der Tasche. Es hat unsere Aufmerksamkeit auf Belohnung ausgerichtet. Wir reagieren pausenlos auf Impulse von außen und auf emotionale Reize. Tausende von Wissenschaftlern helfen den Entwicklern, diese Anfälligkeit so gut wie möglich auszunutzen. Sie fesseln uns mit  ihren Entwicklungen, damit wir zurückkommen (Autoplay, Endlos-Feed etc.) (…) Es ist das gleiche psychologische Prinzip wie bei Spielautomaten.
(…) Aufmerksamkeit, Ablenkung, Überredung, Manipulation – all das zerstört letztlich den freien Willen des Menschen.“ (Hervorhg. d. A.)

Und weiter sagt er, dass Technologie heute das Gegenteil von dem sei, was es früher gewesen sei: früher hätte sie uns geholfen, Grenzen abzubauen zwischen den Menschen, zwischen uns und den Informationen. Heute, wo alles auf uns einprassele, gehe es darum, mit Hilfe der Technologie Grenzen zu setzen. Dann zitiert James Williams Goethe: um Größe zu zeigen, müsse man sich im Zaum halten. Dahinter stecke viel Weisheit.

Wie sollen wir uns um die großen Herausforderungen erfolgreich kümmern, wenn wir uns nicht auf das Wesentliche konzentrieren können? Unabgelenkt, gesammelt, analog.

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Steve Jobs hatte seinen Kindern das IPhone verboten. Die meisten Kinder im Silikon Valley gehen auf Steiner-Schulen: Dort sind Computer, Fernsehen und Radio absolut tabu.

„Der Eintritt in die interessanten Kreise von Palo Alto ist schwer, wenn man es virtuell versucht.(…) Doch virtuelle Welten sind out. Sie sind nirgendwo so unbeliebt, wie bei ihren eigenen Erfindern.“ (Christoph Keese, Vorstand Axel Springer, für ein halbes Jahr vor Ort)

„Wie kann es sein, dass niemand dem Valley und seiner Aufgeblasenheit widerspricht? Wieso ist der Diskurs dermaßen devot? (…) Man könnte über diese Dinge allerdings sehr lange reden, und durch sie wird evident, dass das Silicon Valley ethisch betrachtet kaum hübscher ist als die Wall Street (…) Man hört doch ständig von den Massen an Arbeitslosen, die das Valley durch seinen Automatisierungswahn produzieren wird, und alle reden so, als gäbe es da keine Wahl, als müsse man das halt leider, leider so durchführen jetze, fahrerlose Lkw et cetera, als könne die Politik da also überhaupt nix dran ändern. Stattdessen wird Eric Schmidt, gewissermaßen der Außenminister von Google, vom dienernden Wirtschaftsrat der CDU aufgeregt empfangen.(…)
Wundervoll, Herr Schmidt! Nicht mehr das Volk würde wählen, sondern irgendein Algorithmus, der Vorstellungen von „gut“ reflektieren soll; und die paar Menschen, deren Hirne alle Scans überstehen, würden vermutlich eher versuchen, den unfehlbaren Algorithmus zu bedienen denn die fehlbaren eigenen Bürger zu vertreten. So wird also alles „besser“, was auch immer besser für Mr. Schmidt heißen mag.“ 

Arlard von Kittlitz 2017/ZEIT Fuck you, Silicon Valley

„Aber die Idee, selbst für immer zu leben, ist die nihilistischste von allen, denn ihre ultimative Konsequenz ist, dass allen künftigen Generationen das Leben verweigert wird.
Die Ewig-leben-Woller sehen sich selbst als das Ende einer Milliarden Jahre währenden Geschichte, als deren Höhe- und Endpunkt. Mannmannmann, geht es trister?“

Diesem Schlußwort des Beitrages von A. v. Kittlitz – ist nichts hinzuzufügen.

Echte – und ein paar geplättete – Grüße
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