Slow sitting

„Nur der Denkende erlebt sein Leben. Am Gedankenlosen zieht es vorbei.“

(Marie-Luise v. Ebner-Eschenbach)

Können wir das so stehen lassen? Sicher gibt es noch andere Blickwinkel auf das Thema. Aus der Richtung der Achtsamkeit stimmt die Aussage.
Weil Achtsamkeit Bewusstheit bedeutet. Und Bewusstheit bedeutet Präsenz.
Hier und Jetzt. Wach. Körperlich und (!) geistig anwesend.
Eben das Gegenteil eines Lebens auf Autopilot.

Es braucht ja kein „immer“ zu sein. Aber wir sollten schon die eigene Kapitänsbrücke nicht unnötig oder gar aus Gewohnheit verlassen.
Wer morgens schnuckstracks im Maschinenraum verschwindet, sich den ganzen Tag nicht auf der Brücke sehen lässt und sich abends fragen muss, wo das eigene Schiff überhaupt vor Anker gegangen ist, der zum Beispiel hätte jetzt eine „Hausaufgabe“:

Jeden Tag 10 Minuten hinsetzen und die Aufmerksamkeit so viel wie möglich im eigenen Körper halten. Am besten stets zur gleichen Zeit. Und am gleichen Ort.
In dem wir im Kontakt mit unserem Körper sind, sind wir im Jetzt verankert.

Es geht noch einfacher:
solange Sie den Stuhl, auf dem Sie sitzen, spüren, sind Sie im Hier und Jetzt.
Jeden Tag 10 Minuten. Das ist drin.

Spürbare Grüße
ad

Slow Wabi Sabi

Wenn man ein überzeugter Anhänger der Langsamkeit ist, kommt man an der  Kunstform Wabi Sabi nicht vorbei.
Wabi Sabi hat seine Ursprünge im 16. Jahrhundert und steht für ein ästhetisches Konzept, das sehr eng mit Japan und dem ZEN-Buddhismus verbunden ist. Leonard Koren nennt es auch die Philosophie der Bescheidenheit.

Wabi Sabi stellt keine Kunstrichtung dar, sondern viel mehr eine bestimmte Art und Weise, Dinge wahrzunehmen: es ist eine Hohelied auf das Unperfekte, Unbeständige und Unvollständige, ausgedrückt durch eine große Freiheit an Formen, gebrochenen Farben und in formaler Einfachheit.

Wabi Sabi-Kunstwerke tragen Gebrauchsspuren, das Wort Sabi steht für alt sein, mit Patina überzogen, über Reife verfügen.

Auch Wabi Sabi lädt die Betrachter dazu ein, die kleinen Dinge des alltäglichen Lebens neu zu entdecken und so die Schönheit des Unauffälligen und leicht zu Übersehenden in der Natur wahrzunehmen.

  Astrid Keimer

Die Kunstwerke, die zur Wabi Sabi-Sicht einladen, sind also nicht die von strahlend schöner Vollkommenheit, die gespreizt danach „schreien“, gesehen zu werden. ‚

Im Gegenteil. Richard R. Powell fasst es so zusammen:
Wabi Sabi nährt alles, was authentisch ist, da es drei einfache Wahrheiten anerkennt –

nichts bleibt, nichts ist abgeschlossen und nichts ist perfekt

Astrid Keimer

Wabi Sabi können wir in der Malerei entdecken, in der Fotographie, in der Keramik ebenso wie in Gärten, in der Blumenkunst bis hin zur japanischen Teezeremonie und japanischer Poesie. Die Weisheit des Wabi Sabi bringt folgende Beschreibung auf den Punkt:

ad

„Beschränke alles auf das Wesentliche, aber entferne nicht die Poesie. Halte die Dinge sauber und unbelastet, aber lasse sie nicht steril werden.“

Einfach herzliche Grüße
ad

Sieh, das Schöne liegt so nah…If such beauty is right before your eyes…

Rost + Winter 26-01-14 038

-9° in Travemünde, leichter Wind, später Nachmittag…
Ein Spaziergang bei klirrender Kälte, schönstem Sonnenschein, klarer Luft und blitzblauem Himmel. Habe meinen Muff (Sie wissen noch, was das ist?) rausgeholt und bin losgestapft. Zwischendurch Finger raus und auf den Auflöser gedrückt. Aber nur ganz kurz. Hinterher Spezial-Berliner-Verkaufsstelle angefahren. Lecker.

Ich mache das viel zu selten. Obwohl die Küste bei mir um die Ecke liegt. Kennen Sie das? Sie machen etwas, sind begeistert, sagen, dass muss ich/müssen wir unbedingt öfter machen und –  nix wird draus. Irgendetwas in uns drin hat da ein beträchtliches Beharrungs- oder besser Verharrungsvermögen. Ja, und manchmal scheint ein begabter Vermeidungskünstler am Werk zu sein. Was soll ich sagen. Nun, sagen tun wir natürlich viel: keine Zeit, zu dies, zu das und überhaupt. Schade, schade.
Das Schöne liegt auf dem Silbertablett – und wartet nicht auf uns. Wir sind es, die etwas verpassen. Das Schöne ist einfach schön und braucht uns nicht. Wie war das nochmal mit dem Kapitän auf dem eigenen Schiff? Ich weiß, ich weiß…

Aufgewärmte und sehr herzliche Grüße
adRost + Winter 26-01-14 038
-9°C in Travemünde, a gentle wind, late afternoon…

A walk in the icy cold, in bright sunshine, clear air and under a squeaky blue sky. Got out my muff (you still know what that is?) and started trudging off. Every now and then, only for a second, fingers out to press the shutter release. Then heading for that special doughnut shop – yummy.

Only once in a blue moon I do something like this although the coast is just round the corner. Does that sound familiar to you? You did something, you think it was marvellous und you say you must do that much more often, absolutely, and – nothing happens. Somehow, deep down inside, there is a considerable perseverance or, more precisely, inertia. Well, and at times there seems to be a desire to even avoid these occasions. What can I say? Well, of course we say a lot: no time for this, for that, and besides… Too bad. A pity.

Beauty is lying on a silver platter – and it is not waiting for us. It is us who miss something. Beauty is beautiful in itself and is not in need of us. What was the story of being captain on your own boat? I know, I know…

Warm and best wishes,
ad

 

Orange

P1050006

Ist das nicht eine wundervolle Farbe? So ein satter Ton und dennoch klar, frisch und leicht……..KÖSTLICH. Und eine wunderbare Übung für achtsames Schauen.

Begeisterte Grüße
ad

Achtsamkeit…..die neue Welle?

Ist der neue Trend schon geboren? Eine neue Heilslehre gefunden? Wird jetzt das Thema Achtsamkeit durch das Land bzw. die Büroetagen gewirbelt? Ach, die arme Achtsamkeit. Das hätte sie nicht verdient.

Denn sie ist eine gute Antwort auf das Thema Burnout: folgerichtig, gehaltvoll und qualifiziert. Allerdings verpufft ihre Wirkung, wenn man sie Weiterlesen