Entspannte Eltern – Entspannte Kinder = Slow Family

Die Kinderärztin, Karella Easwaran, rät in ihrem Buch „Das Geheimnis gesunder Kinder“ zu mehr Gelassenheit = Wasser auf all meine Mühlen.

Sie empfindet u. a. das Kopfkino vieler Eltern bei Erkrankung des Sprößlings als Stressfaktor, der darüber hinaus die Kinder gleich mitbelastet. Denn Kinder spüren die elterlichen Sorgen sehr genau, und der Stress überträgt sich. Sorgen sind durchaus häufig Ausdruck eines negativen Kopfkinos. Nicht selten erlebt die Ärztin, dass der Stress der Eltern schwerwiegender zu sein scheint als die Erkrankung des Kindes.

Dabei ist ständiger Stress die Ursache Nummer eins für Zivilisationskrankheiten wie Migräne, Bluthochdruck, Adipositas oder gar für einen chronischen Erschöpfungszustand.

Woher kommen nun all die Sorgen „beim kleinsten Schnupfen“? Eltern wollen sich Mühe geben, engagiert sein und auf jeden Fall gute Mütter und Väter sein. Das ist sehr ehrenwert. Wenn sie allerdings „perfekte Eltern“ (von gar perfekten Kindern) sein wollen, dann überfrachten sie sich mit Informationen und Ansichten, wie „man“ Kinder „richtig“ erzieht und wieviel Zähne sie zum Zeitpunkt X haben müssen und wieviel Purzelbäume zum Zeitpunkt Y zu begutachten sein sollten. Ansonsten: Fehleralarm! Das dabei Stress herauskommt, scheint mir unausweichlich.

Dazu sagt die Kinderärztin: „Ich erlebe in meiner Praxis immer mehr Eltern, die kaum Vertrauen in ihre Kinder haben und den eigenen Einfluss auf die kindliche Entwicklung völlig überschätzen (! Anm. d. A.). Wir müssen viel gelassener werden und mehr an unsere Kinder glauben.“

Ich möchte hinzufügen, auch die Eltern selbst brauchen mehr Selbstvertrauen. Nur so können sie Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen, und zwar gerade dann, wenn die Kinder mit Erkältungen, Kinderkrankheiten oder einem gebrochenen Arm fertig werden müssen.

Sich sorgen, sich kümmern ist etwas Wertvolles. Doch es gibt Situationen, da können Kinder die beinah übertriebene Fürsorge durchaus als Belastung empfinden. Eltern sind für Kinder der Felsen in der Brandung. Wenn der wankt, dann ist „irgendwas Schlimmes“ mit mir und man spricht mir – im erweiterten Sinne – ab, die Erkrankung aus eigener Kraft zu bewältigen. Die Angst und Sorge der Eltern wird zur Angst und Sorge des Kindes. Ein solches Gefühl unterstützt keinen Heilungsprozess.

Das positive Denken jedoch oder einfach das Flachhalten des Balles vermittelt Kindern Geborgenheit und die nötige seelische Entspannung, die sie jetzt brauchen, um wieder gesund zu werden.

Geht es nicht auch darum zu lernen, wie man das Leben meistert? Dann sind doch diese kleinen „Krisen“ bestens geeignet, Zutrauen zum eigenen Körper und zum Leben an sich zu lernen. Kann einem erkrankten Kind etwas Besseres passieren als Eltern, die in ihrer Gelassenheit so viel tröstliche Sicherheit ausstrahlen, dass es sich ins Kissen kuscheln und friedlich gesund schlafen kann? Eben.

Krisengestärkte Grüße
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Von der Schönheit des UnaufgeregtenOn the Beauty of Unexcitedness

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Seneca (4 v. Chr. – 65 v. Chr.), römischer Philosoph und Stoiker

„Was du sehnlichst wünschst, ist aber etwas Großes und Vollkommenes, etwas Gottähnliches: sich nicht erschüttern zu lassen.(…) Ich nenne diesen Zustand Gelassenheit. (…) Wir stellen uns also die Frage, wie die Seele sich immer in einer gleichmäßigen und glücklichen Bewegung befinden, mit sich in bestem Einvernehmen sein und ihr Tun mit Freude betrachten kann und diese Freude nicht unterbricht, sondern immer in einem ruhigen Zustand verharrt, weder euphorisch noch deprimiert: Das wird Gelassenheit sein.“

Wenn ich von „Innerer Stabilität“ spreche – und im Seminar zum Thema mache – dann ist genau diese Unerschütterlichkeit das Ziel. Im Bemühen um ein wenig mehr Standfestigkeit, ein Quentchen mehr emotionale Belastbarkeit, ein bisschen mehr Vernunft, wenigstens einen Hauch von Impulssteuerung, könnten Entspannung, Gelassenheit, gesunde Organe, gute Laune und wunderbare Stressresistenz unsere Belohnung sein.

Es muss ja nicht wie bei Seneca von „immer“ die Rede sein. Aber das Unechauffierte im Handlungsrepertoire zu haben und bei Bedarf den entsprechenden Modus aktivieren zu können, wäre doch ein dankenswerter Zustand, meinen Sie nicht?

Es ist schade, dass besonders in Krisenmomenten Emotion in der Regel besser da steht als Sachlichkeit. Emotion ist immer ganz toll, Sachlichkeit, Nüchternheit, Vernunft ist leblos, kalt, ja Desinteresse. Wir erreichen zwar außer Drama, Drama, Drama nichts mit all der aufgeschäumten Emotionalität (jedenfalls nichts, was einer konstruktiven Lösung behilflich sein könnte), aber man ist jedenfalls keiner von der gefühlskalten Sorte. Besonders von Frauen höre ich oft: ich bin eben so emotional. Gut. Und was weiter? Freischein? Kindergarten life? Nicht das die Herren den Kindergarten nicht auch drauf hätten. Sicher, Drama, Drama, Drama kann einen Selbstzweck im Flechtwerk der Persönlichkeit haben. Doch das macht es nicht besser.

Wenn mehr Gelassenheit wirklich unser Ziel ist, wenn wir souveränes Verhalten wirklich schätzen und der Überzeugung sind, dass Souveränität den Menschen adelt, wenn wir Slow Life als eine erstrebenswerte Haltung annehmen und verinnerlichen wollen, dann braucht es eine ausgeruhte Balance zwischen Emotion und Verstand. Und das Fundament dafür ist die Beherrschung des Unaufgeregten.

Zuversichtliche Grüße
adP1050945

Seneca (4 BC – 65 AD), a Roman Stoic philosopher:

‘But what you yearn for is something great and supreme and very similar to being a god: to be unshaken. (…) I call this state imperturbability. (…) Hence, we ask ourselves how the soul can constantly be in an even and serene movement, on friendly terms with itself and observe its doing with joy – a joy which it does not disturb, remaining in this still state, neither euphoric nor depressed: This is imperturbability.’

It is this state of being unshakeable I have in mind when I talk about ‘inner stability’ and make it a topic in my seminars. If we endeavour after a little more steadiness, a tiny bit of emotional strength, some more reason, at least a touch of impulse control, then we can be rewarded by a feeling of relaxation, imperturbability, by healthy organs, a good mood and a wonderful resistance against stress.

This state does not have to be there ‘constantly’ as Seneca puts it. But to keep some unexcitedness in our sleeve and to be able to activate it in case of need would be a commendable state, wouldn’t it?

It is a deplorable fact that, particularly in a crisis, emotions usually rank higher than matter-of-factness. Being emotional is always great; matter-of-factness, dispassion, reason is lifeless, is cold, displays indifference. All this seething emotionality will lead to nothing but drama, drama, drama – at least to nothing which might help us to find a constructive solution to the problem. But at any rate, you will not be one of the emotionally cold guys. I often hear women say: ‘I’m just emotional. There’s nothing I can do.’ So what? Carte blanche? Nursery school live? I am not saying that men do not play this game. Sure – drama, drama, drama can become an end in itself in the wickerwork of personality. This, however, does not make it any better.

If we seriously aim at developing more imperturbability, if we truly appreciate self-confident behaviour and are convinced that self-confidence ennobles a person, if we want to accept slow life as a desirable attitude and integrate it into our lives – then we will need to develop a relaxed balance between emotion and reason. And the foundation is to master unexcitedness.

Optimistic wishes,
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Vom guten Umgang mit dem Tod

So lautet der Titel der GEOWISSEN-Ausgabe aus dem Sommer (Nr. 51).

Elsass 064
Ich gehöre zu denen, die bedauern, wie tabuisiert die Themen Sterben und Tod in unserer Gesellschaft sind. In meiner Familie wurde so gut wie nie darüber gesprochen.
Für mich persönlich habe ich anders entschieden. Und bin froh, inzwischen eine Haltung einnehmen zu können, die mir hilft, das Thema mit Gelassenheit zu betrachten. Wir kommen aus dem Nichts und gehen ins Nichts. Davon bin ich überzeugt. Ich halte Sterben für die natürlichste Sache der Welt. Es ängstigt mich nicht, es beschäftigt mich nicht. Ich habe Frieden mit dem Thema schließen können, und darüber freue ich mich.

Denn ich wollte mein Leben nicht in Angst vor dem menschlichen Ende verbringen. Mein Vater hatte Angst vor dem Tod. Sehr sogar. Er hat zwei Kriege überlebt, ist fast neunzig geworden. Doch solange ich denken kann, ängstigte er sich sehr. Ein allgegenwärtiges Thema. Es wurde zu einer Art Bremse der Lebensfreude. So empfinde ich es als Befreiung, eine eigene Haltung zu Themen entwickeln zu können. In diesem Fall eine sehr versöhnliche.

Michel de Montaigne

„Berauben wir den Tod zunächst seiner stärksten Trumpfkarte, die er gegen uns in Händen hält, und schlagen wir dazu einen völlig anderen als den üblichen Weg ein: Berauben wir ihn seiner Unheimlichkeit, pflegen wir Umgang mit ihm, gewöhnen wir uns an ihn (…)“

Und das ist, finde ich, ein sehr guter Vorschlag.
Persönliche Grüße aus dem November
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