Slow Purism

Purismus wird abgeleitet vom lateinischen Adjektiv pur, was rein, unverfälscht, ehrlich bedeutet. Das berühmteste Zitat im Zusammenhang mit dem Purismus stammt von dem Architekten Mies van der Rohe, nämlich „weniger ist mehr“.

Wir alle können puristisch leben, puristisch essen, uns puristisch einrichten, ja puristisch denken. Zumindest den Versuch starten.
Beim Purismus geht es vorrangig um das Weglassen allen Überflüssigen. Er erfordert Klarheit, Genauigkeit, Regelmäßigkeit und vor allem das Unverfälschte. Es geht um Essenz.


Beim Weglassen konzentriert sich die Wahrnehmung, das Hier und Jetzt steht im Vordergrund. Der englische Künstler Adam Baker-Mill sagt dazu: „Es gehört Disziplin dazu und zwingt einen, bewusst zu leben. Bewusster leben, das bedeutet: Wichtiges von unwichtigem zu trennen, zurückkehren zum Ursprung der Dinge, zu sich selbst.“

Purismus bedeutet nicht Entbehrung. Oder Entsagung allen Materiellem. In der Welt der Mode und des Luxus haben Marken wie Calvin Klein und Jil Sander mit minimalen Schnitten viel Erfolg geerntet. Einfachheit kann demnach zum Statussymbol werden und Purismus zum Erfolgsrezept.

Ein deutscher Vertreter des Purismus ist der Künstler Gerhard Merz, geb. 1947. Viele seiner Arbeiten testen sich an der Grenze zur radikalen Abstraktion aus. Seine Heroen der Moderne sind Mondrian, Newman, Ad Reinhardt und Mies van der Rohe.

In Hayn bei Erfurt hat er ein Bildungszentrum für eine große Krankenkasse entworfen und gestaltet. Ich habe das große Glück, in diesen Räumen oft meine Seminare und Workshops durchführen zu dürfen. Es ist ein Genuss.

Das Raumgefühl ist wundervoll: hell, klar, reduziert und doch warm. Heller Holzboden, viel klares Weiß, Licht, Licht, Licht, große Farbflächen, Atrium, Text im Eingangsbereich als Gestaltungselement.

 

Eingebettet in ein Landschaftskonzept, dass ebenso viel Klarheit und Ruhepole wie Wärme und Erholung bietet. Zum Lernen, zum Reflektieren, zum Gedanken nachhängen und zum Genießen geradezu perfekt.

Weniger kann ein Mehr an Qualität bedeuten. Ich bin ein Fan davon.

Genussvolle Grüße
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Slow and wonderful boredum

An der Langeweile scheiden sich häufig die Geister. Für die einen scheint sie schier unerträglich, für die anderen ist sie nichts, was man vertreiben müsste. Für einige scheint sie gar tödlich, für andere ein willkommener Moment der Sammlung, ja des Genusses.
Wir können uns mit uns selbst, mit einer anderen Person oder einer ganzen Gruppe langweilen. Oder mit einer Sache. Natürlich können wir auch andere langweilen – also natürlich nicht Sie und ich -, was wir manchmal bemerken, jedoch oft genug leider nicht.

Dabei ist Langeweile zunächst einmal ein Gefühl wie jedes andere, also wie Angst, Trauer oder Freude. Genau genommen bezeichnet Langeweile das Gefühl, das eintritt, wenn man nichts zu tun hat und nicht weiß, wie man seine Zeit verbringen soll. Entscheidend scheint mir dabei das Wort „soll“. Denn sowie es keine Vorgaben gibt, fällt unser Wohlbefinden in sich zusammen.

Nun ist es zweifelsfrei so, dass der, der sich langweilt, gezwungen ist, sich wahrzunehmen. Für manche ist das überaus befremdlich – und anstrengend. Dabei könnte man – wo man doch gerade so nah bei sich ist – nun in Ruhe darüber nachdenken, was einem denn jetzt Spaß machen könnte, also die eigenen Bedürfnisse erkennen. Das fällt Menschen besonders schwer, die von Kindesbeinen an Bespaßung von außen und durch andere gewöhnt sind.

In einer Studie der Universität Bielefeld kamen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass rund 86 % der Kinder, die nach der Definition der Wissenschaftler unter deutlich hohem Stress leiden, Termine wahrnähmen (Termine!! A. d. A.), die ihnen bei Licht betrachtet gar keinen Spaß bereiten. Fast 90 % wünschten sich stattdessen, mehr Zeit für Sachen zu haben, an denen sie Freude hätten.

Eine „ereignislose Zeit“ empfinden viele, viele Menschen als verschwendet. Sie können sie weder aushalten, geschweige denn, sie genießen. Das kann dann zu durchaus kuriosen Situationen führen, in denen „freie Zeit“, die man Kindergarten- oder Schulkindern zur Verfügung stellt (findet man übrigens auch in Workshops von Erwachsenen) von Eltern moniert werden, die eine Zeit, in der nicht angeleitet oder geführt wird, als „verloren“ ansehen.

Deshalb kann es gut und sinnvoll sein, sich der Langeweile einfach mal hinzugeben und zu sehen, was geschieht, wenn man für eine Weile einfach daliegt und in sich lauscht, statt sie mit Gewalt vertreiben zu wollen. Das ist auch der Grund, warum entsprechende Stimmen sagen, Kinder müssen sich zwischendurch langweilen. Wer das gelernt hat, lernt nah bei seinen Bedürfnissen zu bleiben, einfach weil sie ihm vertraut sind. (Und ist damit für die Zukunft und überhaupt gut beschützt vor jeder Form von wildem Aktionismus). Auch Phantasie und Kreativität bedürfen das ein oder andere Mal solcherart „Geburtsphasen“.

Ich persönlich möchte eine Lanze für die Langeweile brechen. Sowie wir der Langeweile mit Freundlichkeit begegnen, belohnt sie uns mit einem aufrichtigen Kontakt zu uns selbst und unseren wahren Bedürfnissen. Und sie wirft unseren eigenen Ideen- und Lösungsspeicher an. Wir bleiben Kapitän auf unserem Schiff und lernen gleichzeitig, eine (scheinbar) lösungsfreie, schweigende, stille, ereignislose Zeitspanne grundsätzlich einmal auszuhalten. (Was ja oft genug der Knackpunkt in der Kommunikation bedeutet – eine schlichte Gesprächspause einfach einmal aushalten zu können! Und zwar ohne sie selbst scheinbar zwanghaft füllen zu müssen – oft genug zum eigenen Nachteil.)

Böse Zungen behaupten ja, dass sich viele gar nicht mit sich und den eigenen Bedürfnissen beschäftigen mögen, weil sie nicht an Langeweile zugrunde gehen mögen. Da lass ich jetzt Herrn Ferstls Aussage einfach mal so stehen.

Befremdlicherweise finde ich mich dennoch ausgerechnet mit dem Kardinal Richelieu (ja, genau der!) gelegentlich auf einer Wellenlänge, wenn er sagt: Ich langweile mich nie, man langweilt mich.

Zart angeregte Grüße
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It’s Teatime

Teatime

(It’s Teatime von Susannah Blake, Bassermann Verlag)

Sind Sie auch ein Freund oder eine Freundin der englischen Teestunde?
Ich liebe sie! Ich bin ohnehin ein norddeutsches Kuchenkind, mir macht man mit solcherart Köstlichkeiten immer eine Freude.

Und ich schätze es sehr, zu zelebrieren. Eine der Übersetzungen des Dudens zum Wort zelebrieren lautet: feierlich ehren.

Ich ehre das alles überaus feierlich. Wundervolles Geschirr, der liebevoll gedeckte Tisch, Stoffservietten mit verspielter Häkelkante, gepaart mit dem Duft von aromatischem Tee (Die Diät-Bemühten klappen jetzt besser die Ohren ein) und den Köstlichkeiten aus der Backstube. Die Augen streicheln die Scones, die Clotted Cream, die Erdbeermarmelade. Das Gurken-Sandwich, das Lachs-Canapes und hier und da noch eine feine, kleine Praline.
Dazu eine vollkommen hektikfreie Zeitzone. Die Musik perlt zart und leise, Behaglichkeit ergießt sich in den Raum und in die Tiefen unserer Seele, und wehrlos ergeben wir uns dem delikaten Geschmack auf unserer Zunge.
Himmlisch. H-i-i-mmmmlisch.

Ach, dieses Zierliche, Beruhigte und leicht Antiquierte. Ich vermisse es im gesellschaftlichen Miteinander. Ich kann nicht entdecken, dass der Verlust von Form unser Leben essentiell verbessert hätte. Und das wir uns jetzt alle Küsschen von einer Seite auf die andere werfen, wobei ich nie weiß, mit welcher Seite ich beginnen soll und stante pedes es zum Duell der Lippen kommt, ist beileibe kein angemessener Ersatz. Nennen Sie mich nostalgisch. Rümpfen Sie die Nase, und lassen Sie Ihre Augenbraue den Stirnansatz besuchen – ich bleibe dabei: Stilvoll Tee trinken verbessert die Welt!

Einladende Grüße
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Slow Life……….VIVA Jazz Baltica

viva jazz baltica
VIVA Jazz Baltica, Mischtechnik auf Leinwand, 120 x 100, ad

Es war wieder sooooo schön! Wolfgang Haffner und alle, wie sie da sind.
Für mich neu: Jacob Karlzon 3   –  einfach su.per.klas.se.
Also: Vormerken! Vormerken! Vormerken! Jazz Baltica in Niendorf/Ostsee 2014!

Noch ganz benommene Grüße
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Slow Life………und der Geschmack von Erdbeeren

Jordbaer, Mischtechnik auf Leinwand, 2009, 90 x 70
Jordbaer, Mischtechnik auf Leinwand, 60 x 80, ad

Erdbeeren, hmmm……ein schmatzendes Rot, reinbeißen, Saft die Schnute runter laufen lassen, Süße genießen, Reste mit der Zungenspitze einfangen….das Leben kann so schön sein…..

(Fast schon) sommerliche Grüße

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