Slow and wonderful boredum

An der Langeweile scheiden sich häufig die Geister. Für die einen scheint sie schier unerträglich, für die anderen ist sie nichts, was man vertreiben müsste. Für einige scheint sie gar tödlich, für andere ein willkommener Moment der Sammlung, ja des Genusses.
Wir können uns mit uns selbst, mit einer anderen Person oder einer ganzen Gruppe langweilen. Oder mit einer Sache. Natürlich können wir auch andere langweilen – also natürlich nicht Sie und ich -, was wir manchmal bemerken, jedoch oft genug leider nicht.

Dabei ist Langeweile zunächst einmal ein Gefühl wie jedes andere, also wie Angst, Trauer oder Freude. Genau genommen bezeichnet Langeweile das Gefühl, das eintritt, wenn man nichts zu tun hat und nicht weiß, wie man seine Zeit verbringen soll. Entscheidend scheint mir dabei das Wort „soll“. Denn sowie es keine Vorgaben gibt, fällt unser Wohlbefinden in sich zusammen.

Nun ist es zweifelsfrei so, dass der, der sich langweilt, gezwungen ist, sich wahrzunehmen. Für manche ist das überaus befremdlich – und anstrengend. Dabei könnte man – wo man doch gerade so nah bei sich ist – nun in Ruhe darüber nachdenken, was einem denn jetzt Spaß machen könnte, also die eigenen Bedürfnisse erkennen. Das fällt Menschen besonders schwer, die von Kindesbeinen an Bespaßung von außen und durch andere gewöhnt sind.

In einer Studie der Universität Bielefeld kamen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass rund 86 % der Kinder, die nach der Definition der Wissenschaftler unter deutlich hohem Stress leiden, Termine wahrnähmen (Termine!! A. d. A.), die ihnen bei Licht betrachtet gar keinen Spaß bereiten. Fast 90 % wünschten sich stattdessen, mehr Zeit für Sachen zu haben, an denen sie Freude hätten.

Eine „ereignislose Zeit“ empfinden viele, viele Menschen als verschwendet. Sie können sie weder aushalten, geschweige denn, sie genießen. Das kann dann zu durchaus kuriosen Situationen führen, in denen „freie Zeit“, die man Kindergarten- oder Schulkindern zur Verfügung stellt (findet man übrigens auch in Workshops von Erwachsenen) von Eltern moniert werden, die eine Zeit, in der nicht angeleitet oder geführt wird, als „verloren“ ansehen.

Deshalb kann es gut und sinnvoll sein, sich der Langeweile einfach mal hinzugeben und zu sehen, was geschieht, wenn man für eine Weile einfach daliegt und in sich lauscht, statt sie mit Gewalt vertreiben zu wollen. Das ist auch der Grund, warum entsprechende Stimmen sagen, Kinder müssen sich zwischendurch langweilen. Wer das gelernt hat, lernt nah bei seinen Bedürfnissen zu bleiben, einfach weil sie ihm vertraut sind. (Und ist damit für die Zukunft und überhaupt gut beschützt vor jeder Form von wildem Aktionismus). Auch Phantasie und Kreativität bedürfen das ein oder andere Mal solcherart „Geburtsphasen“.

Ich persönlich möchte eine Lanze für die Langeweile brechen. Sowie wir der Langeweile mit Freundlichkeit begegnen, belohnt sie uns mit einem aufrichtigen Kontakt zu uns selbst und unseren wahren Bedürfnissen. Und sie wirft unseren eigenen Ideen- und Lösungsspeicher an. Wir bleiben Kapitän auf unserem Schiff und lernen gleichzeitig, eine (scheinbar) lösungsfreie, schweigende, stille, ereignislose Zeitspanne grundsätzlich einmal auszuhalten. (Was ja oft genug der Knackpunkt in der Kommunikation bedeutet – eine schlichte Gesprächspause einfach einmal aushalten zu können! Und zwar ohne sie selbst scheinbar zwanghaft füllen zu müssen – oft genug zum eigenen Nachteil.)

Böse Zungen behaupten ja, dass sich viele gar nicht mit sich und den eigenen Bedürfnissen beschäftigen mögen, weil sie nicht an Langeweile zugrunde gehen mögen. Da lass ich jetzt Herrn Ferstls Aussage einfach mal so stehen.

Befremdlicherweise finde ich mich dennoch ausgerechnet mit dem Kardinal Richelieu (ja, genau der!) gelegentlich auf einer Wellenlänge, wenn er sagt: Ich langweile mich nie, man langweilt mich.

Zart angeregte Grüße
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Slow Life………und der Geschmack von Erdbeeren

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Erdbeeren, hmmm……ein schmatzendes Rot, reinbeißen, Saft die Schnute runter laufen lassen, Süße genießen, Reste mit der Zungenspitze einfangen….das Leben kann so schön sein…..

(Fast schon) sommerliche Grüße

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