Ein bisschen Tschaka kann nicht schaden

Eine 80-Jährige mischt die Restaurant-Szene auf – und ist jetzt auch noch Youtuberin. So etwas macht mir Mut.

Nicht, dass die Dame arbeiten muss, die Rente ist soweit ok. Aber das wäre doch viel zu langweilig. Deshalb betreibt sie nicht nur das „Restaurant im Wohnzimmer“, sondern seit neuestem auch noch einen Youtube-Kanal – weil sie Lust auf ein neues Projekt hatte.

Seit Jahr und Tag hatte sie für Kinder und Pflegekinder mit Leidenschaft gekocht. Von Beruf ist sie übrigens Journalistin. Aber dann hatte sie mehr Lust an der Kochkunst und gründete zunächst eine Catering-Firma. Nach 16 Jahren schloss der Haupt-Auftraggeber seine Pforten, und so suchte die Hamburgerin nach neuen Ufern.

Mit 77 Jahren.

Und so gründete sie ihr „Restaurant im Wohnzimmer“. Fast jeden Freitag kann man bei Frau Fuchs Zuhause speisen. Die Plätze sind begehrt, mittlerweile muss man fast sechs Monate auf ein freies Plätzchen an ihrem reichlich gedeckten Tisch warten. 60 Euro kostet das Fünf-Gänge-Menü inklusive Getränke in ihrem Wohnzimmer. Damit deckt sie die Ausgaben für den Einkauf, den Rest spendet sie an die Kinderkrebsstiftung Waldpiraten-Camp. Profit machen, das will sie nicht: „Ich mache Leute glücklich mit meinem Essen, ich mache das Waldpiraten-Camp glücklich und ich mache mich selber glücklich, weil ich wieder heißgeliebte Gäste habe. Ich bewirte einfach gerne“, sagte sie in einem Gespräch mit dem stern.

Doch damit nicht genug. Als die Gäste immer häufiger nach ihren Rezepten fragten, hat sie sich gedacht, da mache ich doch mal „Filmchen“, die zeigen, wie ich meine Gerichte in die Tat umsetze. Auf diese Weise wurde sie „Youtuberin“. Und natürlich gibt es auch einen Blog. Und falls auch Sie einmal Gast bei ihr sein wollen, hier ist die Kontaktadresse: studiocatering@gmx.de

Gesundheit ist DIE Voraussetzung für ein aktives und spannendes Leben. Den eigenen Brunnen – womit auch immer – regelmäßig zu füllen, ist und bleibt unsere zentrale Aufgabe. Es muss nicht die Öffentlichkeit sein, es muss nichts mit Geld verdienen zu tun haben – es braucht einfach etwas, was uns glücklich macht.

Deshalb: Gut mit sich und den eigenen Wünschen im Kontakt bleiben. Und wenn es das Nichtstun ist, dass zur Ruhe kommen und gar.nichts.tun – tun Sie es mit Hingabe. Und lächelndem Herzen.

Grüße aus der seelischen Hängematte
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Von Aufstieg und Abstieg

Nein, es geht nicht um Fußball.

Es geht um uns. Um Menschen. (Wahrscheinlich kontert jetzt ein Fußballfan völlig zu recht, dass es beim Fußball ja sehr wohl und irgendwie auch um Menschen ginge.)

Hier soll es jedoch um Karriereleitern gehen. Und darum, dass es immer mehr Führungskräfte gibt, die Lust haben, eine Stufe auf der Karriereleiter wieder hinunterzusteigen, um die eigene Lebensqualität auf diesem Wege zu erhöhen.

Es gibt Ingenieure, die bedauern, nur noch in (zermürbenden und oft genug ineffektiven) Meetings zu sitzen und sich nichts sehnlicher wünschen, als wieder selbst an den Motoren schrauben zu können.
Und genug Führungskräfte, die – statt zu delegieren – viel lieber selbst wieder Hand anlegen würden und die Arbeit dabei möglichst gut machen wollen. Auch im Vertrieb finden sich Führungskräfte, die nach dem Verlust zum munteren Kundenkontakt sagen, sie hätten jetzt nur noch halb so viel Spaß.

Die finanziellen Einbußen würden sie allesamt in Kauf nehmen, allein: wie kommuniziere ich das – ohne einem Versager-Image ausgesetzt zu sein?
Die meisten von uns kommen gar nicht auf die Idee, dass ein – freiwilliger – Rückschritt auf besagter Leiter durchaus auch als Zeichen von Flexibilität, von Willensstärke und Reife zeugen kann – und ich für mich persönlich sehe das so.

Führungskräfte, die also erwägen, Ihren Vorgesetzten entsprechend zu informieren, sollten deshalb auf folgende Argumente bauen: Eine Fachkraft, die einmal Führungskraft war, versteht weiterhin Zusammenhänge, sieht übergeordnete Ziele und kann bei den Kolleginnen und Kollegen ganz anders um Verständnis für die Herausforderungen der Führungsetage werben.

Ein würdevolles Zurücktreten – mit dem Gewinn von wiedererlangter Freude an der (Fach-)Arbeit samt der genannten Vorteile für das Unternehmen sollte in unserem allzeit beweglichen Marktgeschehen möglich sein. Ja, nicht nur möglich, sondern als vollkommen normale Berufsentscheidung gelten.

Schließlich sollen wir doch eine lernende Gesellschaft sein. Na, dann – ab geht’s!

Kletternde Grüße
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Slow Purism

Purismus wird abgeleitet vom lateinischen Adjektiv pur, was rein, unverfälscht, ehrlich bedeutet. Das berühmteste Zitat im Zusammenhang mit dem Purismus stammt von dem Architekten Mies van der Rohe, nämlich „weniger ist mehr“.

Wir alle können puristisch leben, puristisch essen, uns puristisch einrichten, ja puristisch denken. Zumindest den Versuch starten.
Beim Purismus geht es vorrangig um das Weglassen allen Überflüssigen. Er erfordert Klarheit, Genauigkeit, Regelmäßigkeit und vor allem das Unverfälschte. Es geht um Essenz.


Beim Weglassen konzentriert sich die Wahrnehmung, das Hier und Jetzt steht im Vordergrund. Der englische Künstler Adam Baker-Mill sagt dazu: „Es gehört Disziplin dazu und zwingt einen, bewusst zu leben. Bewusster leben, das bedeutet: Wichtiges von unwichtigem zu trennen, zurückkehren zum Ursprung der Dinge, zu sich selbst.“

Purismus bedeutet nicht Entbehrung. Oder Entsagung allen Materiellem. In der Welt der Mode und des Luxus haben Marken wie Calvin Klein und Jil Sander mit minimalen Schnitten viel Erfolg geerntet. Einfachheit kann demnach zum Statussymbol werden und Purismus zum Erfolgsrezept.

Ein deutscher Vertreter des Purismus ist der Künstler Gerhard Merz, geb. 1947. Viele seiner Arbeiten testen sich an der Grenze zur radikalen Abstraktion aus. Seine Heroen der Moderne sind Mondrian, Newman, Ad Reinhardt und Mies van der Rohe.

In Hayn bei Erfurt hat er ein Bildungszentrum für eine große Krankenkasse entworfen und gestaltet. Ich habe das große Glück, in diesen Räumen oft meine Seminare und Workshops durchführen zu dürfen. Es ist ein Genuss.

Das Raumgefühl ist wundervoll: hell, klar, reduziert und doch warm. Heller Holzboden, viel klares Weiß, Licht, Licht, Licht, große Farbflächen, Atrium, Text im Eingangsbereich als Gestaltungselement.

 

Eingebettet in ein Landschaftskonzept, dass ebenso viel Klarheit und Ruhepole wie Wärme und Erholung bietet. Zum Lernen, zum Reflektieren, zum Gedanken nachhängen und zum Genießen geradezu perfekt.

Weniger kann ein Mehr an Qualität bedeuten. Ich bin ein Fan davon.

Genussvolle Grüße
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Glücklich bis zum Feierabend

Glückswissenschaftler fragen sich schon eine ganze Weile, wo denn – so denn vorhanden – Glücksgefühle der arbeitenden Bevölkerung auf dem langen Weg in die abendliche Freizeit bleiben. Mit anderen Worten: wohin verschwindet unsere gute Laune? Denn falls wir nicht glücklich und zufrieden sind, so beeinflusst das die Produktivität, die Gesundheit, das Sozialleben. Und Zufriedenheit ist kein netter Boden im Job – Zufriedenheit ist ein Wirtschaftsfaktor.

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Wissenschaftler haben zudem herausgefunden, dass unser Fortkommen im Job zu 75 % geprägt ist von Optimismus, Stressresistenz, Unterstützung von Freunden und Familie. Wobei nicht Erfolg glücklich machen soll, sondern Glück mache erfolgreich.

Der alles entscheidende Blick bleibt jedoch der eigene. Der englische Schriftsteller Lawrence Durell sagte – nicht als einziger -, dass Glück oft nur auf dem Entschluss beruhe, glücklich zu sein. Insofern: Nicht die Realität formt uns, sondern die Linse, durch die wir die Realität sehen.

Die Linse ist durch uns beeinflussbar, soviel steht fest. Der Psychologe Shawn Achor hat an der renommierten Hochschule Harvard Studenten beobachtet: Nach zwei Wochen Glücksgefühlen der Studenten, dass sie nun tatsächlich in Harvard studieren durften – zählte nur noch die Arbeit, der Wettbewerb, der Stress, die Beschwerden. Das endlich Erreichte – das Studium in Harvard – fiel also Ruckzuck dem Vergessen anheim.

Der Mensch neigt also dazu, schnell zu vergessen, dass das, was er nun hat, ja ganz lange die Sehnsuchtsformel war: wenn ich xy hätte, oh, was wäre ich dann glücklich.

Nun hat man es – und ab in neue Sehnsüchte. Also wieder eine Zeit der „Entbehrungen“ (nämlich der Zeit der Nicht-befriedigung von Wünschen) und dem, was da ist, wird stante pede der Wert entzogen. Es wird zu „normal“ und wird damit sofort mit einem Verlust an Wert „bestraft“. Normal ist wertlos. Sehnsucht ist alles.

Was wir haben, zählt nicht. Nur was wir nicht haben, verdient Energie und Emotionen. Glücksgefühle als Hoffnungsmodell? Wenn, dann?

Deshalb: Schreiben Sie jeden Abend drei Dinge auf, die wirklich gut waren. Worauf waren Sie stolz? Worüber haben Sie gelacht? Was war gelungen? Wertvoll?

Machen wir uns am Abend bewusst, was der Tag zu bieten hatte, dann bleit es uns besser Gedächtnis. Was wir nicht wiederholen, hält unser Gehirn nämlich für irrelevant – und hat es schnell vergessen. So können wir aber nichts Positives längerfristig in unserem Hirn verankern. Deshalb: abendliches Aufschreiben.

Ich möchte auch daran erinnern, dass wir zudem immer noch von „Feier“abend sprechen – also lassen Sie uns etwas draus machen.

Unternehmungslustige Grüße
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Mehr als nur (!) das Leben

Die meisten Weltreligionen versprechen ein besseres Leben nach dem Tod. Allerdings nur, wenn wir uns im Diesseits ordentlich anstrengen. Wir ackerten also, um es im vermeintlich(?) nächsten Leben endlich(!) besser zu haben.

Mit der Religion haben wir es heute nicht mehr so. Das passt gut, denn unser westlicher Religionsgedanke wurde von dem Versprechen der Konsumanbieter abgelöst, das Heil bereits im Diesseits zu finden, und das, in dem man uns mehr als nur (!) das Leben versprach.

Mehr als das Leben. Es geht um Intensität. Leben reicht nicht mehr, es sollte schon ein intensives Leben sein, optimiert bis in die Fingerspitzen. Dies ist weder eine pauschale Kapitalismuskritik noch ein Aufruf zum kompletten Konsumverzicht. Es ist ein Aufruf, wach zu bleiben – und selbst zu denken.

Intensität = die Kraft, mit der etwas wirkt. Es geht um Energietransport, um Einfluss eines Mediums und vor allem geht es bei Intensität um Sättigung. Die Konsumanbieter gingen soweit, zu versprechen, dass bei einem Kauf eine emotionale Sättigung eintrete.  Sie schafften es – und wir machten eifrig mit -, uns einzureden, dass eine emotionale Sättigung viel praktischer und schneller und schöner und einfacher und vor allem häufiger und verletzungsfreier durch Kauf zu erlangen sei. Ehrliche, direkte, authentische emotionale Sättigung von Mensch zu Mensch oder gar aus sich selbst heraus – für die wir nichts Käufliches brauchen – wurde zu einem rückständigen Konzept.

Damit das mit dem Einreden klappte, arbeiteten Werbung und Konsumanbieter mit aller Kraft daran, unserem Denken und Handeln größtmögliche Verunsicherung zukommen zu lassen, auf das wir unserem eigenen Urteilsvermögen misstrauen und abgeschnitten werden von unserer wahren inneren Bedürfnislage. Und so sind wir Menschen umzingelt von Werbungs-Reizen – lauten, leisen, schrillen, subtilen, angstschürenden, unwahren – und jeder dieser Reize schreit: glaub dir nicht, glaub uns!

Also: Reiz – Reaktion – und peng. Reiz – Reaktion – und zack. Sehen – kaufen – Hochgefühl. Das Haben hat das Er-Leben abgelöst. Es geht um konsumieren: Produkte oder Kicks, ganz egal. Auf jeden Fall – mehr davon.

Da das erstandene Produkt nur ein Ersatz für echte Emotionalität ist, bekommen wir schnell mit, dass der Rausch, das Hochgefühl, nicht lange vorhält. Und das weiß die Konsumgüterindustrie – schließlich ist es ihre Geschäftsgrundlage: Erst verunsichern, dann die Verunsicherung „heilen“. Entsprechend hoch muss die Kauftaktung sein, damit der Konsument in seiner Selbstversorgung mit Intensität einerseits nicht nachlässt und andererseits nicht etwa ins Nachdenken kommt. (Beim Nachdenken könnte z. B. rauskommen, dass wir uns selbst genügen und lieben, so wie wir sind, was man auch ein gesundes Selbstwertgefühl nennen kann.) So sorgen die Konsumanbieter dafür, dass ständig etwas Neues, noch Tolleres, noch Unverzichtbareres angeboten wird, wir gleichzeitig nach etwas Neuem schreien und inzwischen meint niemand mehr zu wissen, was eigentlich Huhn und was Ei ist.

Das war und ist der Weg in die Sucht. Die Sucht nach Intensität. Da sich die versprochene Intensität durch Konsum wie beschrieben als Mogelpackung erweist, müssen nun die ständigen Reizorgien immer größer und größer sein, damit sie bei uns noch dieselben – intensiven – Reflexe und rauschhafte Zustände auszulösen vermögen. Der Mensch versucht also durch immer mehr Konsum die gepriesene Intensität durch entsprechend suchthaftes (Kauf-)Verhalten am Kochen zu halten, denn darum geht es, das heißt doch Leben – oder etwa nicht? Intensität, Kicks, Maxima, Ultras, mehr und mehr und mehr, mehr als nur Leben – um endlich….ja, was eigentlich? Um Befriedigung kann es nicht gehen. In dem Wort steckt das Wort Frieden. Oder doch? Also in der Hoffnung worauf? Was kommt nach Bungee-Jumping und Shopping-Queen?

In dem Wort Sucht steckt das Wort suchen. Die Menschen sind offensichtlich auf der Suche, wenn sie sich im Dschungel des Konsums verheddern. Was auch immer es ist, was da gesucht wird, es scheint offensichtlich nicht zu kaufen zu sein.

Das Ergebnis ist, dass wir inzwischen wie ein vollends leeres Gefäß gesehen werden (und offensichtlich uns selbst so sehen), in das ständig von außen – durch Konsum – etwas hineingeworfen werden muss, um glücklich zu sein. Wir sind erfolgreich dressiert worden und haben uns dressieren lassen. Das alles hat dazu geführt, dass wir so verunsichert sind, dass uns scheinbar ständig jemand sagen muss, was wir machen sollen – was wir kaufen, essen, anziehen, wie wir uns einrichten sollen. Wir haben zugelassen, so weit von uns, unserer Intuition, unserem Gefühl für den eigenen Körper, unserem gesunden Menschenverstand entfernt zu sein, dass wir meinen, die einfachsten Entscheidungen nicht mehr allein treffen zu können.

Die Kreise, die wir mit dieser Einstellung ziehen, sind elementar. Wir haben verinnerlicht, dass wir in irgendeiner bestimmten Art und Weise etwas „brauchen“, um glücklich, zu sein – Menschen, Dinge, die richtige Temperatur und wer weiß, was noch. So pulen wir uns gewissermaßen selbst auf den Haken: wir bauen Abhängigkeiten auf nach dem Prinzip „wenn-dann“: Wenn ich Produkt x hätte, dann könnte ich – endlich – glücklich sein und ich wäre – endlich – ok.

Das Prinzip „wenn-dann“ funktioniert allerdings auch gänzlich ohne käufliches Produkt: Wenn die Sonne jetzt scheinen würde, dann könnte ich glücklich sein. Leider scheint sie nicht (wieso habe eigentlich immer(!) ich so ein Pech) und deshalb bleibt mir nichts anderes übrig, als unzufrieden zu sein.(Opfer) Wenn es ums Unglücklichsein geht, dann sind wir Menschen ja erfinderisch.

Und so lassen wir angefangen bei der Ernährung, über die Medizin, über Erziehung, über das Modediktat, über unseren Körper, über weiter und weiter bis dazu, wie wir „am besten“ (nämlich im Sinne der Konsumanbieter) einkaufen(!), erzählen, was wir zu tun und zu lassen haben, um glücklich zu sein. Bis wir endlich, endlich an der Konsumnadel hängen und ohne die geringste Hinterfragung nur noch schlucken, was man uns thematisch vorsetzt. Damit laufen wir Gefahr, die Entscheidungshoheit komplett fremden Händen zu überlassen.

Wir sind das Produkt, an dem gefeilt wird, um noch den letzten Cent aus uns raus zu quetschen, aber noch viel mehr geht es darum, dass wir den Glauben an uns selbst verlieren. Die Heilsversprechen der Werbung – komplett egal aus welcher Produktrichtung – zielen auf uns, denn wir sind das eigentliche Produkt.

Die Verzweigungen und die Willkür innerhalb dieses Kapitalismus-Konstrukts sind in meinen Augen skrupellos. Über Jahrzehnte galt ein Blutzuckerwert ab 140 als bedenklich bzw. krankhaft. Dann hat sich die Pharmaindustrie überlegt – mit entsprechender Unterstützung „unabhängiger“ Ärzte -, womit sie mehr ihrer Produkte zur Blutzuckerregulierung verkaufen kann. Sie kam auf die glorreiche Idee (hat sicher zu wundervollen Boni geführt), den praktizierenden Ärzten und damit uns erfolgreich „zu verkaufen“, dass ein Wert bereits ab 120 krankhaft ist. Das Ergebnis dieser Aktion können wir in entsprechenden Bilanzen nachlesen.

Von dieser Art willkürlicher Akte gibt es eine schier endlose Zahl in allen Bereichen unseres Lebens. Wir haben zugelassen, dass wir unserem eigenen Körper entfremdet sind.

Ich wünsche mir eine stille Revolution. In uns selbst. Für uns. Pause. Nachdenken. Und dann konsumieren wir mit Verstand – und genießen.

Kapitalismus und Konsum sind keine Naturgewalt. Sie werden hergestellt. Gegen Herstellung ist nichts zu sagen. Aber gegen blinden Gehorsam.

Überlegte Grüße
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Die Gedanken sind frei

Ja, noch sind sie das. Wenn Silikon Valley und seine Handvoll Milliardäre samt Abermilliarden von Daten für fleißige Algorithmenrechner nicht endgültig die Oberhand gewinnen. Weite Teile des Silikon Valley gehören den Reichen und Erfolgreichen, die Demokratie für überholt halten und an ewigem Leben interessiert sind. Zuckerberg for president! Ein Alptraum.

Silikon Valley – und das gilt für alle anderen Groß-/Konzerne gleichermaßen – sind an Gewinnmaxierung interessiert und an sonst gar nichts. Konsum anfachen, einem Feuer gleich, darum geht es. Aber auch Feuer will mit Bedacht behandelt werden, um seine positiven Eigenschaften entwickeln zu können.

James Williams, ein ehemaliger Google-Mitarbeiter, und heutiger Ethikexperte beschäftigt sich mit Aufmerksamkeitsökonomie und der manipulativen Kraft von Apps. Er spricht in einem Beitrag auf Arte (Hirnstatus offline) davon, dass schon in den 70ern wissenschaftlich nachgewiesen wurde, dass bei Reizüberflutung unsere Aufmerksamkeit nachlässt. Wir werden langsamer und schützen damit unser Hirn vor Überflutung. – Das ist den meisten bekannt.

James Williams: „Ziel ist es, die Aufmerksamkeit einzufangen und auszunutzen. Der Verbraucher ist das Produkt. Viele begreifen das nicht.(…) Wenn ich mich für eine Sekunde Langweile, ziehe ich das Smartphone aus der Tasche. Es hat unsere Aufmerksamkeit auf Belohnung ausgerichtet. Wir reagieren pausenlos auf Impulse von außen und auf emotionale Reize. Tausende von Wissenschaftlern helfen den Entwicklern, diese Anfälligkeit so gut wie möglich auszunutzen. Sie fesseln uns mit  ihren Entwicklungen, damit wir zurückkommen (Autoplay, Endlos-Feed etc.) (…) Es ist das gleiche psychologische Prinzip wie bei Spielautomaten.
(…) Aufmerksamkeit, Ablenkung, Überredung, Manipulation – all das zerstört letztlich den freien Willen des Menschen.“ (Hervorhg. d. A.)

Und weiter sagt er, dass Technologie heute das Gegenteil von dem sei, was es früher gewesen sei: früher hätte sie uns geholfen, Grenzen abzubauen zwischen den Menschen, zwischen uns und den Informationen. Heute, wo alles auf uns einprassele, gehe es darum, mit Hilfe der Technologie Grenzen zu setzen. Dann zitiert James Williams Goethe: um Größe zu zeigen, müsse man sich im Zaum halten. Dahinter stecke viel Weisheit.

Wie sollen wir uns um die großen Herausforderungen erfolgreich kümmern, wenn wir uns nicht auf das Wesentliche konzentrieren können? Unabgelenkt, gesammelt, analog.

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Steve Jobs hatte seinen Kindern das IPhone verboten. Die meisten Kinder im Silikon Valley gehen auf Steiner-Schulen: Dort sind Computer, Fernsehen und Radio absolut tabu.

„Der Eintritt in die interessanten Kreise von Palo Alto ist schwer, wenn man es virtuell versucht.(…) Doch virtuelle Welten sind out. Sie sind nirgendwo so unbeliebt, wie bei ihren eigenen Erfindern.“ (Christoph Keese, Vorstand Axel Springer, für ein halbes Jahr vor Ort)

„Wie kann es sein, dass niemand dem Valley und seiner Aufgeblasenheit widerspricht? Wieso ist der Diskurs dermaßen devot? (…) Man könnte über diese Dinge allerdings sehr lange reden, und durch sie wird evident, dass das Silicon Valley ethisch betrachtet kaum hübscher ist als die Wall Street (…) Man hört doch ständig von den Massen an Arbeitslosen, die das Valley durch seinen Automatisierungswahn produzieren wird, und alle reden so, als gäbe es da keine Wahl, als müsse man das halt leider, leider so durchführen jetze, fahrerlose Lkw et cetera, als könne die Politik da also überhaupt nix dran ändern. Stattdessen wird Eric Schmidt, gewissermaßen der Außenminister von Google, vom dienernden Wirtschaftsrat der CDU aufgeregt empfangen.(…)
Wundervoll, Herr Schmidt! Nicht mehr das Volk würde wählen, sondern irgendein Algorithmus, der Vorstellungen von „gut“ reflektieren soll; und die paar Menschen, deren Hirne alle Scans überstehen, würden vermutlich eher versuchen, den unfehlbaren Algorithmus zu bedienen denn die fehlbaren eigenen Bürger zu vertreten. So wird also alles „besser“, was auch immer besser für Mr. Schmidt heißen mag.“ 

Arlard von Kittlitz 2017/ZEIT Fuck you, Silicon Valley

„Aber die Idee, selbst für immer zu leben, ist die nihilistischste von allen, denn ihre ultimative Konsequenz ist, dass allen künftigen Generationen das Leben verweigert wird.
Die Ewig-leben-Woller sehen sich selbst als das Ende einer Milliarden Jahre währenden Geschichte, als deren Höhe- und Endpunkt. Mannmannmann, geht es trister?“

Diesem Schlußwort des Beitrages von A. v. Kittlitz – ist nichts hinzuzufügen.

Echte – und ein paar geplättete – Grüße
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Slow and wonderful boredum

An der Langeweile scheiden sich häufig die Geister. Für die einen scheint sie schier unerträglich, für die anderen ist sie nichts, was man vertreiben müsste. Für einige scheint sie gar tödlich, für andere ein willkommener Moment der Sammlung, ja des Genusses.
Wir können uns mit uns selbst, mit einer anderen Person oder einer ganzen Gruppe langweilen. Oder mit einer Sache. Natürlich können wir auch andere langweilen – also natürlich nicht Sie und ich -, was wir manchmal bemerken, jedoch oft genug leider nicht.

Dabei ist Langeweile zunächst einmal ein Gefühl wie jedes andere, also wie Angst, Trauer oder Freude. Genau genommen bezeichnet Langeweile das Gefühl, das eintritt, wenn man nichts zu tun hat und nicht weiß, wie man seine Zeit verbringen soll. Entscheidend scheint mir dabei das Wort „soll“. Denn sowie es keine Vorgaben gibt, fällt unser Wohlbefinden in sich zusammen.

Nun ist es zweifelsfrei so, dass der, der sich langweilt, gezwungen ist, sich wahrzunehmen. Für manche ist das überaus befremdlich – und anstrengend. Dabei könnte man – wo man doch gerade so nah bei sich ist – nun in Ruhe darüber nachdenken, was einem denn jetzt Spaß machen könnte, also die eigenen Bedürfnisse erkennen. Das fällt Menschen besonders schwer, die von Kindesbeinen an Bespaßung von außen und durch andere gewöhnt sind.

In einer Studie der Universität Bielefeld kamen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass rund 86 % der Kinder, die nach der Definition der Wissenschaftler unter deutlich hohem Stress leiden, Termine wahrnähmen (Termine!! A. d. A.), die ihnen bei Licht betrachtet gar keinen Spaß bereiten. Fast 90 % wünschten sich stattdessen, mehr Zeit für Sachen zu haben, an denen sie Freude hätten.

Eine „ereignislose Zeit“ empfinden viele, viele Menschen als verschwendet. Sie können sie weder aushalten, geschweige denn, sie genießen. Das kann dann zu durchaus kuriosen Situationen führen, in denen „freie Zeit“, die man Kindergarten- oder Schulkindern zur Verfügung stellt (findet man übrigens auch in Workshops von Erwachsenen) von Eltern moniert werden, die eine Zeit, in der nicht angeleitet oder geführt wird, als „verloren“ ansehen.

Deshalb kann es gut und sinnvoll sein, sich der Langeweile einfach mal hinzugeben und zu sehen, was geschieht, wenn man für eine Weile einfach daliegt und in sich lauscht, statt sie mit Gewalt vertreiben zu wollen. Das ist auch der Grund, warum entsprechende Stimmen sagen, Kinder müssen sich zwischendurch langweilen. Wer das gelernt hat, lernt nah bei seinen Bedürfnissen zu bleiben, einfach weil sie ihm vertraut sind. (Und ist damit für die Zukunft und überhaupt gut beschützt vor jeder Form von wildem Aktionismus). Auch Phantasie und Kreativität bedürfen das ein oder andere Mal solcherart „Geburtsphasen“.

Ich persönlich möchte eine Lanze für die Langeweile brechen. Sowie wir der Langeweile mit Freundlichkeit begegnen, belohnt sie uns mit einem aufrichtigen Kontakt zu uns selbst und unseren wahren Bedürfnissen. Und sie wirft unseren eigenen Ideen- und Lösungsspeicher an. Wir bleiben Kapitän auf unserem Schiff und lernen gleichzeitig, eine (scheinbar) lösungsfreie, schweigende, stille, ereignislose Zeitspanne grundsätzlich einmal auszuhalten. (Was ja oft genug der Knackpunkt in der Kommunikation bedeutet – eine schlichte Gesprächspause einfach einmal aushalten zu können! Und zwar ohne sie selbst scheinbar zwanghaft füllen zu müssen – oft genug zum eigenen Nachteil.)

Böse Zungen behaupten ja, dass sich viele gar nicht mit sich und den eigenen Bedürfnissen beschäftigen mögen, weil sie nicht an Langeweile zugrunde gehen mögen. Da lass ich jetzt Herrn Ferstls Aussage einfach mal so stehen.

Befremdlicherweise finde ich mich dennoch ausgerechnet mit dem Kardinal Richelieu (ja, genau der!) gelegentlich auf einer Wellenlänge, wenn er sagt: Ich langweile mich nie, man langweilt mich.

Zart angeregte Grüße
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Erfolg

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Ralph Waldo Emerson – mein Bruder im Geiste -:

„Oft lachen und lieben. Den Respekt intelligenter Menschen gewinnen und die Liebe von Kindern. Von anerkannten Kritikern anerkannt werden. Dankbar sein für die Schönheit. Sich selbst verschenken. Die Welt ein bisschen besser zurücklassen, sei es durch ein fröhliches Kind, ein kleines Stück Garten oder die grandiose Lösung einer großen Not. Mit Begeisterung gespielt und gesungen haben. Zu wissen: Es gab wenigstens einen einzigen Menschen auf dieser Welt, der leichter atmen konnte, nur weil Du gelebt hast.“

Das ist die beste Beschreibung von Erfolg, die ich kenne. Vielleicht sind ein paar Prisen für die Gestaltung unseres neuen Jahres dabei. Oder für ein aufgefrischtes Denken. Oder für ein Lächeln. Über das Lächeln würde ich mich freuen. Sehr sogar.

Wache Grüße
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Die Sache mit der Atmung

Wenn man sich mit dem Thema Entspannung beschäftigt, kann man den Eindruck bekommen, um die Atmung wird ein echter Hype betrieben. Wir stolpern allenthalben über die Aufforderung, wir mögen doch lernen, „richtig“ zu atmen, wir sollen beobachten und dann noch zählen und sogar noch üben. Vielleicht wissen wir, dass der Mensch oft zu flach und zu schnell atmet. Manchmal auch zu wenig. Der Zusammenhang ist bekannt: es geht um Sauerstoffzuführung und das Ausatmen von Kohlenmonoxyd.  Und ja, soweit können wir das nachvollziehen: wir bewegen(!) uns häufig(!) nicht genügend an der frischen(!) Luft, und da kann das mit dem zu wenig Sauerstoff schon angehen. Aber deshalb gleich ein Atem-Coach, Atem-Reha, Atem“technik“, den heiligen Atem?? Was hat es also mit der Atmung auf sich.

Die Bedeutung der Atmung ist aus zweierlei Gründen von zentralem Interesse: Zum einen für den Grad der Entspannungstiefe und zum anderen für die Herstellung des Kontaktes zu uns selbst. Dabei gilt das Einatmen in der Entspannungstheorie als aktiver Akt: belebend und kraftvoll. Das Ausatmen gilt als Akt des Zur-Ruhe-Kommens und in diesem Sinne als passiv. Ausatmen bedeutet demnach einerseits loslassen (Entspannung) und andererseits Sammlung (Kontakt zu mir selbst).

Das ist der Grund, warum das Ausatmen bei allen Entspannungstechniken eine solche Bedeutung hat.  Und warum es Sinn macht, eine Verlängerung der Ausatmungsphase zu trainieren, wobei Verlängerung hier für Vertiefung steht. Manchmal muss es ein Spaziergang sein, eine Jogging-Runde, ein Handballspiel, um runterzukommen. Oder wild tanzen. Das hilft auch. Und manchmal braucht es genau das Gegenteil, nämlich mehr Ruhe. Und wenn das der Fall ist, lässt sich das Ruhegefühl durch eine bewusste Atmung, die auf Bauchatmung angelegt ist (und eben dadurch wieder ihre Tiefe erlangt), geradezu voluminös herstellen. So richtig satt. Und tief. Ein wunderbares Gefühl ausufernder Ruhe. Und ich lasse es zu. Dieses Ausufern. Soll die Ruhe sich ausdehnen, wohin sie will, sie bekommt allen Raum und alle Zeit. Mein Körper, mein Weiterlesen

Langsam naht der Winter….

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Etwas Warmes braucht der Mensch……
Wie wahr!

Abendliche Grüße
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