Die Gedanken sind frei

Ja, noch sind sie das. Wenn Silikon Valley und seine Handvoll Milliardäre samt Abermilliarden von Daten für fleißige Algorithmenrechner nicht endgültig die Oberhand gewinnen. Weite Teile des Silikon Valley gehören den Reichen und Erfolgreichen, die Demokratie für überholt halten und an ewigem Leben interessiert sind. Zuckerberg for president! Ein Alptraum.

Silikon Valley – und das gilt für alle anderen Groß-/Konzerne gleichermaßen – sind an Gewinnmaxierung interessiert und an sonst gar nichts. Konsum anfachen, einem Feuer gleich, darum geht es. Aber auch Feuer will mit Bedacht behandelt werden, um seine positiven Eigenschaften entwickeln zu können.

James Williams, ein ehemaliger Google-Mitarbeiter, und heutiger Ethikexperte beschäftigt sich mit Aufmerksamkeitsökonomie und der manipulativen Kraft von Apps. Er spricht in einem Beitrag auf Arte (Hirnstatus offline) davon, dass schon in den 70ern wissenschaftlich nachgewiesen wurde, dass bei Reizüberflutung unsere Aufmerksamkeit nachlässt. Wir werden langsamer und schützen damit unser Hirn vor Überflutung. – Das ist den meisten bekannt.

James Williams: „Ziel ist es, die Aufmerksamkeit einzufangen und auszunutzen. Der Verbraucher ist das Produkt. Viele begreifen das nicht.(…) Wenn ich mich für eine Sekunde Langweile, ziehe ich das Smartphone aus der Tasche. Es hat unsere Aufmerksamkeit auf Belohnung ausgerichtet. Wir reagieren pausenlos auf Impulse von außen und auf emotionale Reize. Tausende von Wissenschaftlern helfen den Entwicklern, diese Anfälligkeit so gut wie möglich auszunutzen. Sie fesseln uns mit  ihren Entwicklungen, damit wir zurückkommen (Autoplay, Endlos-Feed etc.) (…) Es ist das gleiche psychologische Prinzip wie bei Spielautomaten.
(…) Aufmerksamkeit, Ablenkung, Überredung, Manipulation – all das zerstört letztlich den freien Willen des Menschen.“ (Hervorhg. d. A.)

Und weiter sagt er, dass Technologie heute das Gegenteil von dem sei, was es früher gewesen sei: früher hätte sie uns geholfen, Grenzen abzubauen zwischen den Menschen, zwischen uns und den Informationen. Heute, wo alles auf uns einprassele, gehe es darum, mit Hilfe der Technologie Grenzen zu setzen. Dann zitiert James Williams Goethe: um Größe zu zeigen, müsse man sich im Zaum halten. Dahinter stecke viel Weisheit.

Wie sollen wir uns um die großen Herausforderungen erfolgreich kümmern, wenn wir uns nicht auf das Wesentliche konzentrieren können? Unabgelenkt, gesammelt, analog.

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Steve Jobs hatte seinen Kindern das IPhone verboten. Die meisten Kinder im Silikon Valley gehen auf Steiner-Schulen: Dort sind Computer, Fernsehen und Radio absolut tabu.

„Der Eintritt in die interessanten Kreise von Palo Alto ist schwer, wenn man es virtuell versucht.(…) Doch virtuelle Welten sind out. Sie sind nirgendwo so unbeliebt, wie bei ihren eigenen Erfindern.“ (Christoph Keese, Vorstand Axel Springer, für ein halbes Jahr vor Ort)

„Wie kann es sein, dass niemand dem Valley und seiner Aufgeblasenheit widerspricht? Wieso ist der Diskurs dermaßen devot? (…) Man könnte über diese Dinge allerdings sehr lange reden, und durch sie wird evident, dass das Silicon Valley ethisch betrachtet kaum hübscher ist als die Wall Street (…) Man hört doch ständig von den Massen an Arbeitslosen, die das Valley durch seinen Automatisierungswahn produzieren wird, und alle reden so, als gäbe es da keine Wahl, als müsse man das halt leider, leider so durchführen jetze, fahrerlose Lkw et cetera, als könne die Politik da also überhaupt nix dran ändern. Stattdessen wird Eric Schmidt, gewissermaßen der Außenminister von Google, vom dienernden Wirtschaftsrat der CDU aufgeregt empfangen.(…)
Wundervoll, Herr Schmidt! Nicht mehr das Volk würde wählen, sondern irgendein Algorithmus, der Vorstellungen von „gut“ reflektieren soll; und die paar Menschen, deren Hirne alle Scans überstehen, würden vermutlich eher versuchen, den unfehlbaren Algorithmus zu bedienen denn die fehlbaren eigenen Bürger zu vertreten. So wird also alles „besser“, was auch immer besser für Mr. Schmidt heißen mag.“ 

Arlard von Kittlitz 2017/ZEIT Fuck you, Silicon Valley

„Aber die Idee, selbst für immer zu leben, ist die nihilistischste von allen, denn ihre ultimative Konsequenz ist, dass allen künftigen Generationen das Leben verweigert wird.
Die Ewig-leben-Woller sehen sich selbst als das Ende einer Milliarden Jahre währenden Geschichte, als deren Höhe- und Endpunkt. Mannmannmann, geht es trister?“

Diesem Schlußwort des Beitrages von A. v. Kittlitz – ist nichts hinzuzufügen.

Echte – und ein paar geplättete – Grüße
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Slow growing

John Cleese hält  immer wieder Vorträge über Kreativität. Hier ein Auszug: 

„Also so gelangt man in den OFFEN MODUS. Jetzt müssen sie nur noch mit den Gedanken beim Thema bleiben, über das sie gerade nachdenken. Sie tagträumen. Aber ihre Gedanken kommen zurück. Wie beim Meditieren.

Das ist das bemerkenswerte unserer Kreativität. Lassen sie ihre Gedanken auf einem Thema ruhen. Seien sie zu ihren Gedanken nett, aber bestimmt.

Früher oder später wird sie ihr Bewusstsein dafür belohnt Vielleicht während sie unter der Dusche sind oder beim Frühstück, sie werden jedenfalls überraschend belohnt.
Der Gedanke taucht auf geheimnisvolle Weise auf. Sofern sie sich zuvor die Zeit für ihn genommen haben.“

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Das klingt doch wirklich gut. Also lassen Sie uns nett zu unseren Gedanken sein. Und ein kleines bisschen streng. Damit wir dahinkommen, wo wir auch wirklich hinwollen. Konzentrieren wir uns. Auf eine Sache. Ein Thema. Auf uns selbst. Im besten Sinne. Und lassen wir unsere Gedanken darauf ruhen. Eine wunderschöne Beschreibung.

Bedächtige Grüße
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Slow and wonderful boredum

An der Langeweile scheiden sich häufig die Geister. Für die einen scheint sie schier unerträglich, für die anderen ist sie nichts, was man vertreiben müsste. Für einige scheint sie gar tödlich, für andere ein willkommener Moment der Sammlung, ja des Genusses.
Wir können uns mit uns selbst, mit einer anderen Person oder einer ganzen Gruppe langweilen. Oder mit einer Sache. Natürlich können wir auch andere langweilen – also natürlich nicht Sie und ich -, was wir manchmal bemerken, jedoch oft genug leider nicht.

Dabei ist Langeweile zunächst einmal ein Gefühl wie jedes andere, also wie Angst, Trauer oder Freude. Genau genommen bezeichnet Langeweile das Gefühl, das eintritt, wenn man nichts zu tun hat und nicht weiß, wie man seine Zeit verbringen soll. Entscheidend scheint mir dabei das Wort „soll“. Denn sowie es keine Vorgaben gibt, fällt unser Wohlbefinden in sich zusammen.

Nun ist es zweifelsfrei so, dass der, der sich langweilt, gezwungen ist, sich wahrzunehmen. Für manche ist das überaus befremdlich – und anstrengend. Dabei könnte man – wo man doch gerade so nah bei sich ist – nun in Ruhe darüber nachdenken, was einem denn jetzt Spaß machen könnte, also die eigenen Bedürfnisse erkennen. Das fällt Menschen besonders schwer, die von Kindesbeinen an Bespaßung von außen und durch andere gewöhnt sind.

In einer Studie der Universität Bielefeld kamen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass rund 86 % der Kinder, die nach der Definition der Wissenschaftler unter deutlich hohem Stress leiden, Termine wahrnähmen (Termine!! A. d. A.), die ihnen bei Licht betrachtet gar keinen Spaß bereiten. Fast 90 % wünschten sich stattdessen, mehr Zeit für Sachen zu haben, an denen sie Freude hätten.

Eine „ereignislose Zeit“ empfinden viele, viele Menschen als verschwendet. Sie können sie weder aushalten, geschweige denn, sie genießen. Das kann dann zu durchaus kuriosen Situationen führen, in denen „freie Zeit“, die man Kindergarten- oder Schulkindern zur Verfügung stellt (findet man übrigens auch in Workshops von Erwachsenen) von Eltern moniert werden, die eine Zeit, in der nicht angeleitet oder geführt wird, als „verloren“ ansehen.

Deshalb kann es gut und sinnvoll sein, sich der Langeweile einfach mal hinzugeben und zu sehen, was geschieht, wenn man für eine Weile einfach daliegt und in sich lauscht, statt sie mit Gewalt vertreiben zu wollen. Das ist auch der Grund, warum entsprechende Stimmen sagen, Kinder müssen sich zwischendurch langweilen. Wer das gelernt hat, lernt nah bei seinen Bedürfnissen zu bleiben, einfach weil sie ihm vertraut sind. (Und ist damit für die Zukunft und überhaupt gut beschützt vor jeder Form von wildem Aktionismus). Auch Phantasie und Kreativität bedürfen das ein oder andere Mal solcherart „Geburtsphasen“.

Ich persönlich möchte eine Lanze für die Langeweile brechen. Sowie wir der Langeweile mit Freundlichkeit begegnen, belohnt sie uns mit einem aufrichtigen Kontakt zu uns selbst und unseren wahren Bedürfnissen. Und sie wirft unseren eigenen Ideen- und Lösungsspeicher an. Wir bleiben Kapitän auf unserem Schiff und lernen gleichzeitig, eine (scheinbar) lösungsfreie, schweigende, stille, ereignislose Zeitspanne grundsätzlich einmal auszuhalten. (Was ja oft genug der Knackpunkt in der Kommunikation bedeutet – eine schlichte Gesprächspause einfach einmal aushalten zu können! Und zwar ohne sie selbst scheinbar zwanghaft füllen zu müssen – oft genug zum eigenen Nachteil.)

Böse Zungen behaupten ja, dass sich viele gar nicht mit sich und den eigenen Bedürfnissen beschäftigen mögen, weil sie nicht an Langeweile zugrunde gehen mögen. Da lass ich jetzt Herrn Ferstls Aussage einfach mal so stehen.

Befremdlicherweise finde ich mich dennoch ausgerechnet mit dem Kardinal Richelieu (ja, genau der!) gelegentlich auf einer Wellenlänge, wenn er sagt: Ich langweile mich nie, man langweilt mich.

Zart angeregte Grüße
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Zeit zum Zuhören……

Zuhören bedeutet Pause von sich selbst. Unser gesamter innerer Reichtum bildet das Fundament, auf welchem wir gelassen verweilen, während wir unser Ohr und unsere menschliche Wärme dem Sprechendem zuwenden.
Nichts von uns muss in diesen Momenten verteidigt, in die Mitte gestellt, beachtet werden, frei von Konkurrenz- oder gar Machtambivalenzen sind wir mit Wohlwollen und Geduld bei den Ausführungen des Gegenübers. Verständnis entwickelt sich aus der Akzeptanz und liebevoller Betrachtung unserer eigenen Schwächen. Wir kennen uns selbst gut genug, um zu wissen, dass wir gute und wertvolle Menschen sein und dennoch unsere unreifen, schwachen oder gefährlichen Momente haben können. Geduld ergibt sich Weiterlesen

Stille in Gold

oder
UMBRIEN IM SOMMER

von Angela Detmers

Ich liebe die lautlose Wärme des Sommers
Blauer Wind auf meiner heißen Haut
Von Silberfäden durchzogene Stille

Zarte Rinnsale von Schweiß benetzen meinen Körper
Pudrige Wärme in kleine Wölkchen verpackt
Friedvoll plätschert meine Seele dahin

Ein verwehtes Lachen glückt zu mir herüber
Sepia gefärbte Landschaft lässt den
warmen Atem des Spätsommers erahnen
Farben machen satt Weiterlesen

Gandhi

Zitat

Es gibt Wichtigeres im Leben, als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen.“

Wie recht der Mann doch hat…